Preisbegründung
 

TO DO!2001
Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus

Preisträger:

DAS TOURISMUSPROJEKT
BASIS INTERNATIONAL

vertreten durch:

Dr. Mathew und Leelamony Moozhiyil,
Direktoren und Gründer von BASIS Projects

Sreekandamangalam, Gemeinde Athirampuzha,
Bundesstaat Kerala, Indien

Begründung für die Preisverleihung
von Dr. Hermann Warth

"Die Poesie des Reisens liegt im organischen Angliedern von Neuerworbenem,
im Zunehmen unseres Verständnisses für die Einheit im Vielfältigen,
im Wiederfinden von alten Wahrheiten und Gesetzen unter ganz neuen Verhältnissen."
Hermann Hesse

1. EINLEITUNG

Der Gutachter war vom 14.-19.11.2001 im Auftrag des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung e.V. im Bundesstaat Kerala, in Südindien. Ziel des Aufenthaltes war die Beurteilung des Projekts BASIS INTERNATIONAL mit Sitz in Sreekandamangalam ("Ort von Shiva"). Der kleine Ort gehört zur Gemeinde Athirampuzha (sprich Athirampura) und liegt im Distrikt Kottayam. Das Projekt wurde von seinem deutschen Kooperationspartner Waschbär-Reisen GmbH, Ballrechten, zum Wettbewerb TO DO!2001 eingereicht.

Dank der hervorragenden Unterstützung der BASIS-Mitarbeiter und besonders der BASIS-Gründer, Leelamony und Mathew Moozhiyil (sprich Murhiyil) konnte der Auftrag ohne Komplikationen durchgeführt werden. Dem Gutachter wurden sowohl umfassende Einblicke in die Arbeitsweise und Organisationsstruktur von BASIS gewährt. Die wichtigsten Beobachtungen des Gutachters wurden vor Rückreise mit Familie Moozhiyil besprochen.

Der beauftragte Gutachter schlägt nach Maßgabe der gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse vor, das Projekt BASIS INTERNATIONAL während der ITB 2002 mit einem TO DO!-Preis auszuzeichnen.

2. HINTERGRUND

Mit rund 33 Millionen Einwohnern ist Kerala nach West Bengalen der am dichtesten bevölkerte Staat Indiens. Da der größte Teil der mehrheitlich ländlichen Bevölkerung (ca. 22 Millionen) aber "unter Bäumen" inmitten des bebauten Landes in Streudörfern lebt, hat man nicht den Eindruck von Enge und Übervölkerung. Vom Flugzeug aus gesehen erscheinen weite Gebiete als Wald, unterbrochen von Lichtungen. Der "Wald" besteht aber größtenteils aus Palmen und Gummibäumen (Kerala bedeutet "Land der Palmen"), unter denen sich die Dörfer befinden. Die "Lichtungen" sind Teeplantagen und Reisfelder.

Die geographischen Regionen Keralas gliedern sich in die Küstenregion (mit weit sich ins Hinterland verzweigenden Flussarmen und Lagunen, den sog. "backwaters"), in das mittlere Hügelland und das Bergland (die sog. "Western Ghats", mit bis 2.700 Meter hohen Bergen). Kerala beherbergt eine vielfältige und reichhaltige Flora und Fauna, die allerdings durch Monokulturen beeinträchtigt sind: in den tieferen Lagen durch Kautschuk-, in den höheren durch Tee-, Kaffee- und Cardamomplantagen (Kautschukanbau wird von der Regierung subventioniert, Plantagen sind von der Landreform ausgenommen). Hier wachsen etwa 25 Prozent aller 15.000 Pflanzenarten Indiens, die auf Kultur- und Grasland und in tropischem Regen- und Nebelwald vorkommen. Zwei Drittel der 3.750 Pflanzenarten Keralas sind endemisch. Diesem Pflanzenreichtum entspricht eine ungewöhnlich mannigfaltige Tierwelt: Ungefähr 100 Säugetier-, 550 Vogel- und 170 Reptilienarten finden hier einen Lebensraum; darunter Antilopen, Gazellen, Tiger, Leoparden, Büffel, Wildschweine, Wildhunde, Elefanten, verschiedene Affenarten, Bären, Krokodile, Schildkröten und Schlangen. Sie leben in und außerhalb der 13 Nationalparks und Tierreservate, sind jedoch gefährdet: durch Monokulturen, Staudämme, Rodungen, Erosion, Flussverschlammung, Wilddiebstahl, Überfischung, Industrieabwässer und Pestizide.

Das Küstenland Kerala ist sehr von überseeischen Einflüssen und von unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten geprägt. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind Christen, weitere 20 Prozent Muslime, knapp 60 Prozent sind Hindus (im Unterschied zu Gesamtindien: 2, 10, 88 Prozent). Daneben gibt es noch eine kleine Gruppe von Juden. In der Heimatgemeinde von BASIS INTERNATIONAL, in Sreekandamangalam bzw. Athirampuzha, sind die Christen allerdings in der Mehrzahl.

Kirchen, Moscheen, Tempel und Synagogen zeugen überall von der Vielfalt religiösen Lebens. Größere religiös begründete Konflikte sind nicht bekannt. Doch die Tatsache, dass christliche Kirchen und Muslime sich starker finanzieller Unterstützung aus Übersee erfreuen, Hindus aber auf sich selbst gestellt sind und die Tatsache, dass manche christlichen Gemeinden ihre Hochfeste allzu pompös und die Hindus mit Lautsprechern beschallend feiern, könnte dieses friedliche Nebeneinander eines Tages gefährden.

Das Kastenwesen ist in Kerala sehr stark ausgeprägt. Kastenregeln - vor allem im Verhältnis der Kasten untereinander - werden im Allgemeinen streng eingehalten. Sogar Christen sind in zwei Kasten eingeteilt: Die Nachfahren der bis zur beginnenden britischen Kolonialherrschaft zum Christentum konvertierten Hindus werden der (christlichen) Brahmanenkaste zugeordnet; die unterkastigen Hindus, die sich während der britischen Herrschaft taufen ließen und deren Nachfahren werden den (christlichen) Unterkasten zugeordnet werden. Die Hindu-Brahmanen praktizieren ein patri-lineares Erbsystem, die in der Hierarchie tiefer Stehenden ein matri-lineares - was aber die allgemeine Praxis patriarchalischer Entscheidungsfindung nicht ausschließt. Das Wirken Mahatma Gandhis und seiner Schüler - in Kerala vor allem Sree Narayana Guru - haben der Kastenordnung etwas von ihrer Rigidität genommen; jedoch sicher nicht genug, wie die flammende Anklage der aus dem Kottayam Distrikt stammenden Schriftstellerin Arundhati Roy in ihrem Buch "Der Gott der kleinen Dinge" beweist.

Kerala zeichnet sich mit der höchsten Alphabetisierungsrate Indiens aus. Sie schwankt je nach Altersgruppe zwischen 90 und 100 Prozent. Gleichzeitig hat dieser Bundesstaat den größten Prozentsatz von Menschen, die für gehobene Positionen ausgebildet worden sind, ohne dass sie eine entsprechende Arbeit finden können. Der Grund: Keralas Industrialisierung ist wenig fortgeschritten, es dominieren die exportorientierte Land-, Forst-, Plantagen- und Fischereiwirtschaft (Kautschuk, Kokosprodukte, Tapioka, Zitronengrasöl, Tee, Kaffee, Gewürze, Cardamom).

Die an der Mischkultur orientierte Selbstversorgerwirtschaft ist so stark auf dem Rückzug, dass Fleisch, Gemüse und Getreide importiert werden müssen. Das Einkommen in Kerala liegt unter dem durchschnittlichen nationalen Pro-Kopf-Einkommen; Kerala ist einer der ärmsten Staaten Indiens. Das hat merkwürdigerweise auch mit der halbwegs erfolgreichen Landreform und dem niedrigen Bildungsstand zu tun: Auf den nun vielen Menschen zur Verfügung stehenden kleineren Flächen können Maschinen nicht wirtschaftlich eingesetzt werden. Und das (erreichte) Bildungsniveau verleitet dazu, handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit als minderwertig anzusehen und statt dessen "white collar jobs" anzustreben. Das damit verbundene Risiko, lange Zeit arbeitslos zu sein, wird oftmals in Kauf genommen. Außerdem ermuntert(e) die staatliche Quotenregel, die den Zugang aller Kasten zu Staatsdienst und Studiengängen sichern soll, viele Angehörige der unteren Kasten zu einer Beamtenlaufbahn, was wiederum den Mangel an handwerklichen Fachkräften verschärft hat.

Kerala verfügt über ein großes ökologisches und soziokulturelles touristisches Potenzial, das weder recht entdeckt noch genutzt ist. Deshalb hat vor kurzem Keralas Department of Tourism entschieden, Masterpläne für die Küsten-, Backwaters- und Bergregion (Western Ghats) zu entwickeln.

3. DAS TOURISMUSPROJEKT BASIS INTERNATIONAL ALS TEIL DES BASIS PROJEKTS DORFENTWICKLUNG

3.1 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

BASIS INTERNATIONAL ist Teil von BASIS Projects. BASIS ist die Abkürzung von "Basic Agricultural and Social Improvement Schemes". BASIS Projects wurde im Mai 1990 vom Ehepaar Dr. Mathew und Leelamony Moozhiyil in Sreekandamangalam gegründet. Beide hatten zuvor 20 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet, er als Agrarwissenschaftler, sie als Krankenschwester.

Nach ihrer Rückkehr nach Kerala kauften sie mit Hilfe privater deutscher Unterstützung ein zwei Hektar großes Grundstück in Sreekandamangalam inkl. des darauf gebauten Hauses eines ehemaligen Gummibaum-Plantagenbetreibers. Die Moozhiyils ersetzten die schädliche Monokultur durch angepasste Mischkultur (Kokos, Papaya, Mango, Jackfruit, Bananen, Ananas, Zimt, Muskat, Gewürznelken, Pfeffer, Knollenfrüchte, Reis). Diese Vorgehensweise ermöglicht heute die Selbstversorgung von circa 20 Personen im Jahr. Erwirtschaftete Überschüsse wurden verkauft und bildeten den Grundstock für die späteren Projektinitiativen. Die Mischkultur auf dem Anwesen der Familie Moozhiyil wurde ergänzt durch Tierhaltung (Rinder, Schweine, Ziegen, Hühner), deren Abfälle als Dünger der Pflanzenproduktion zugute kommen. Ein das biologische Gleichgewicht haltender Kreislauf wurde so geschaffen. Daneben wurde die Errichtung von Gästeunterkünften, Küche und Speiseraum direkt neben dem Wohnhaus der Familie Moozhiyil aus eigenen Ersparnissen finanziert. Diese Infrastruktur dient inzwischen als materielle Basis für den Bereich von BASIS INTERNATIONAL.

3.2 ORGANISATIONSSTRUKTUR UND FINANZIERUNG

BASIS Projects ist eine private Familienstiftung (trust), die auch zwei kommerzielle finanziell und rechtlich getrennte Unternehmensbereiche (enterprises) umfasst, nämlich BASIS INTERNATIONAL und BASIS Handproducts. Aus beiden werden Gewinne erzielt und Steuern abgeführt. Die Gewinne kommen nicht der Familie Moozhiyil zugute, sondern wandern in die Aktivitäten der Stiftung. Die Unternehmen sind bei der Regierung von Kerala registriert. Für die Stiftung ist eine Registrierung nicht vorgeschrieben, und für den Verkauf landwirtschaftlicher Rohprodukte sind keine Steuern abzuführen.

BASIS Projects hat derzeit 25 ständig Beschäftigte und fünf saisonale Angestellte (vorrangig unterkastige Hindus). Je nach Arbeitsanfall und Eignung wechseln die Mitarbeiter innerhalb der verschiedenen Bereiche. Situationsbedingt werden die Löhne aus den jeweils prosperierenden Bereichen bezahlt. Diese temporären Verschiebungen werden in der Buchhaltung dokumentiert. Zur tourismusorientierten Mannschaft gehören ein Reiseleiter, ein Fahrer, eine Köchin, eine Putzfrau und zwei "Allrounder". Bei Tagesausflügen helfen auch Leelamony und Theresa Moozhiyil (die Tochter) mit.

Für BASIS INTERNATIONAL stehen sechs Doppelzimmer sowie ein Küchentrakt und ein Speise- / Aufenthaltsraum zur Verfügung. Im Bau befindlich ist ein Haus, das eine größere Familie aufnehmen kann. Im Ausbau außerdem: eine Ayurvedische Klinik mit Unterkünften für acht Personen zu physisch-psychischen Langzeitbehandlungen. Auf Wunsch werden Besucher auch zu Aufenthalten bei vier Farm-Familien des Distrikts weitervermittelt ("homestead tourism"). Zwei Büros, Computer und ein Kleinbus mit 15 Plätzen ergänzen die materielle Infrastruktur des Projekts.

Das Gesamtprojekt hat ein jährliches Finanzvolumen von 30.000 - 50.000 Euro. Es setzt sich zu circa je einem Drittel zusammen aus Einkünften von BASIS Handproducts, von BASIS INTERNATIONAL und aus Spenden des Gießener "Förderkreis Indienhilfe e.V.", der eine Mindestüberweisung von knapp 10.000 Euro pro Jahr garantiert.


3.3 ZIELSETZUNG UND HAUPTAKTIVITÄTEN

Aus der Problemanalyse ihrer Umgebung formulierte das Ehepaar Moozhiyil das Ziel des Dorfentwicklungsprojekts:

"Ziel ist es, den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dorfes die Möglichkeit zu geben, durch Eigeninitiative ihre Selbstständigkeit zu entwickeln und ihre Lebenssituation zu verbessern."

Um diese Absichten zu verwirklichen, hat das Projekt eine Fülle von Aktivitäten entfaltet. Dazu zählt die Aus- und Weiterbildung von interessierten Bewohnern zu Themen wie:

  • Landwirtschaft und Tierhaltung (Mischkultur und Kreislaufwirtschaft)
  • Nähen und Sticken in der Nähschule (BASIS Handproducts)
  • Malen und Siebdruck in der Kunstschule (BASIS Handproducts)
  • Buchbinden in der Buchbinderei (BASIS Handproducts)
  • Herstellen von Möbeln, Werkzeugen, Schmuck für den Eigenbedarf in verschiedenen Werkstätten
  • Tanz und Hauswirtschaft.

Bisher wurden ca. 1.000 Personen in den verschiedenen Berufen ausgebildet.

Teilnehmende (und auch nicht teilnehmende) Eltern können ihre Kleinkinder gegen einen monatlichen Beitrag von 50 Rupien in die Obhut eines Projekt-Kindergartens geben, in dem die Kinder im Spielen lernen und nicht durch Pauken und Dressur.

Jährlich im April und Mai wird bis zu ca. 100 Schulkindern aus der Umgebung ein vierwöchiges Ferienprogramm angeboten, um soziale Schranken abzubauen und Alternativen zum rigiden Schulsystem zu bieten.

Trinkwasseranlagen und Toiletten wurden zusammen mit Dorfbewohnern gebaut, wozu diese finanziell und durch ihre Arbeitskraft beitrugen. Nothilfemaßnahmen (teils durch Kredite) und Unterstützung von Hausbau (auch durch Vermittlung günstiger Bankkredite) für von ihren Familien Verstoßene (z.B. bei Liebesheirat), für allein Erziehende und Behinderte sowie medizinische Grundversorgung und Beratung (durch Frau Moozhiyil) ergänzen das Aktivitätsspektrum.

  1. Ziel von BASIS INTERNATIONAL ist die Förderung gegenseitiger Akzeptanz durch Einführung der Besucher in die Palette von Problemen und Lösungen/Lösungsmöglichkeiten in Dorf und Region und
  2. die wirtschaftliche Förderung Einheimischer durch die Anwesenheit der Gäste.

Das umfangreiche Dorfentwicklungsprojekt dient dabei als exemplarisches Vehikel - ein Mikro- im Makrokosmos von Kerala/Indien und ein Lernobjekt par excellence.

Zur Förderung internationaler Begegnung und persönlicher Entfaltung wurden im Rahmen des Projekts von 1990 bis 1997 dreizehn sechswöchige internationale Workcamps durchgeführt. An ihnen nahmen 130 junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren teil. Sie arbeiteten je nach Eignung und Neigung in den verschiedenen Dorfentwicklungsbereichen mit. Das Programm wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, dann 1997 wegen ausbleibender Förderung eingestellt.

Zur Förderung internationaler Begegnung und um auf action-research basierende Unterstützung in gewissen Fachfragen zu erhalten, beantragt BASIS seit 1996 immer wieder ASA-Stipendiaten (Arbeits-Studien-Aufenthalte) bei der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG). 14 haben bisher ihre Arbeiten abgeschlossen, drei sind gerade dabei.

Die ayurvedische Klinik nähert sich der Fertigstellung. In ihr werden Gäste in den Genuss ganzheitlicher asiatischer Heilmethoden kommen und dann eine intensive interkulturelle Erfahrung mit nach Hause nehmen.

Das ursprüngliche Tourismusprogramm wird seit 1997 mit Hilfe von Waschbär-Reisen, Ballrechten, Deutschland durchgeführt. Dabei besuchen maximal viermal jährlich für drei Wochen zehn bis zwölf Personen das Projekt. Das Normalprogramm umfasst eine einwöchige Rundreise durch Kerala und Tamil Nadu, Tagesausflüge, Backwaters-Bootsfahrten, Elefantenritte, Integration in die Projektarbeit und viele Gespräche mit den Projektmitarbeitern. Das Programm kann flexibel gestaltet und z.B. durch Aufenthalte in Familien (bisher: Gewürzanbauer, Teefarmer, allgemeiner Bauer, Fischer; Spektrum wird erweitert) ergänzt werden. Änderungen werden aber so vorgenommen, dass Charakter und Intention des Aufenthaltes nicht beeinträchtigt werden.

Seit Herbst 2001 wird das Programm "Indien for family" durchgeführt. Maximal zweimal im Jahr (Herbst- und Weihnachtsferien) werden sechs bis zwölf Personen aufgenommen, die indisches Dorfleben, Schulen, Märkte, Feste, Flora und Fauna kennen lernen sollen. Außerdem werden kindergerechte Programme angeboten.

4. EINSCHÄTZUNG

Der Vergleich von BASIS INTERNATIONAL mit den TODO!-Kriterien für sozialverantwortlichen Tourismus führt zu folgender Bewertung:

Wettbewerbskriterium:
Einbeziehung unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung durch Partizipation.

BASIS INTERNATIONAL ist eingebettet in das ständig wachsende Dorfentwicklungsprojekt, das zum Teil sogar staatliche Funktionen wahrnimmt, da der Staat seinen Aufgaben nicht bzw. qualitativ ungenügend nachkommt (Beispiele: Trinkwasserversorgung, medizinische Versorgung, Kindergarten). Es handelt sich um ein Selbsthilfeprojekt: Außer in absoluten Notfällen gibt es in keinem Bereich etwas umsonst.

  • Der innerste Kern des Projekts besteht aus Familie Moozhiyil und den 25/30 Mitarbeitern. Laut Auskunft von Mathew Moozhiyil werden mit ihnen wöchentliche Treffen abgehalten, um über die Belange von BASIS Projects zu sprechen: über Planung und Implementierung von Maßnahmen und Verwendung der Einnahmen und über die Ergebnisse der wöchentlichen Programmauswertungen der Touristen. Die Besprechungen werden protokolliert, um später nachprüfen zu können, welche Arbeitsaufträge vergeben wurden und inwiefern sie umgesetzt worden sind. Die Treffen tragen stark zur Kohärenzbildung des Teams bei.

  • Die Mitarbeiter können zu jeder Zeit Einblick in die drei Konten nehmen: Spenden, BASIS Handproducts und BASIS INTERNATIONAL.

Mit zunehmender Akzeptanz wächst die gegenseitige Partizipation, was sich darin zeigt, dass

  • trotz hoher geforderter Eigenleistung eine große Anzahl von Maßnahmen verwirklicht werden konnte,

  • jeder Dorfbewohner Einblick in die Kosten der Maßnahmen nehmen kann,

  • Mathew Moozhiyil als "resource person" zu Gemeinderatssitzungen eingeladen und zu Fragen von Landwirtschaft, Tourismus und Wasserwegen gehört wird,

  • staatliche Stellen auf Gemeindeebene ihr Personal zum Erfahrungsaustausch zur Modellfarm Moozhiyil schicken (bes. Agriculture Officer, Veterinary Officer, College-Personal des Department of Botany),

  • Touristen von den Dorfbewohnern gerne zu Dorffesten, familiären Ereignissen und Bootsfahrten eingeladen werden.


Wettbewerbskriterium:
Förderung eines Bewusstseins bei der ortsansässigen Bevölkerung über Chancen und Risiken touristischer Entwicklung für ihren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Alltag.

  • Die laufenden Touristenprogramme (drei Wochen) werden durchschnittlich dreimal von den Klienten bewertet. Die Ergebnisse gelangen in die wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen. Da die Angestellten im Dorf bei ihren Familien wohnen und nicht auf dem Gelände, wird die Diskussion über Chancen und Risiken des Tourismus im Dorf wachgehalten (eine Person repräsentiert fünf bis sechs Familienmitglieder).

  • Homestead-Touristen werden erst zugewiesen, nachdem mit den betreffenden Familien ein Dialog über diese Thematik geführt worden und eine Ausbildung in Hauswirtschaft erfolgt ist. Gemäß Auskunft wird hier noch nachgearbeitet, um dann weitere Familien einzubeziehen.

  • Der Kontakt der Leute von Sreekandamangalam mit Besuchern, die in ihrem Dorf seit Jahren spazieren gehen, Tee trinken, einkaufen, die "keine Kastenschranken und weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern kennen", führt häufig zum Hinterfragen des starren Kastendenkens" (Schubert, 1999, S. 18). Das ist zwar schwierig zu beweisen; jedoch ist anzunehmen, dass solche Bewusstseinsprozesse möglich sind.

  • Die sich aus dem Tourismus ergebenden wirtschaftlichen Chancen für die allgemeine Dorfentwicklung sind von der ortsansässigen Bevölkerung erkannt: Es entstanden im genuin touristischen Bereich (BASIS INTERNATIONAL ) des Gesamtprojekts sechs Arbeitsplätze. Die Werkstätten (BASIS Handproducts) produzieren für Urlauber, Hotels und für den Export (Waschbär-Reisen, Team-Versand, Osnabrück, Förderkreis Indien, Gießen). Nach Abzug von Steuern fließen die Gewinne aus den beiden Unternehmen in Gehälter/Beteiligungen der Angestellten und Produzierenden und in die oben beschriebene allgemeine Dorfentwicklung.


Wettbewerbskriterium:
Teilhabe möglichst breiter ortsansässiger Bevölkerungsschichten an positiven ökonomischen, sozialen und kulturellen Wirkungen des Tourismus.

Ökonomisch:

  • Waschbär-Reisen überweist pro Tourist und Tag 45,00 Euro an BASIS INTERNATIONAL. Davon werden je 20 Prozent für Unterkunft und Verpflegung im Compound oder in Homestead-Familien aufgewendet, 20 Prozent für Fahrtkosten und Eintritte, 20 Prozent für Gehälter und 20 Prozent verbleiben als Profit, wovon Steuern zu zahlen sind. Der Gewinn nach Steuern wird in Maßnahmen der Dorfentwicklung investiert. Das heißt, dass außer den Unterkunftskosten und den Fahrtkosten für den BASIS-eigenen Bus alles Geld der Bevölkerung zugute kommt: den BASIS-Angestellten, den Homestead-Familien, Nahrungsmittelverkäufern, Tempel-, Moscheen- und Kirchengemeinschaften, den von der Dorfentwicklung Begünstigten und dem Staat (Steuern).

  • Darüber hinaus lassen die Gäste Geld in den verschiedenen Werkstätten (Nähschule, Kunstschule, Buchbinderei), das zum Einkommen der dort Beschäftigten und Auszubildenden beiträgt.

  • Und die Besucher lassen Geld in Dorf und Region, wenn sie Teestuben und Restaurants besuchen und z.B. bekannt hochwertige Produkte wie Gewürze, Tee, Kaffee, ayurvedische Medizin kaufen. Das Projekt vermittelt interessierte Urlauber an Ladenbesitzer, die nachweisen können, dass Produktion und Verarbeitung ihrer angebotenen Waren ökologischen Kriterien entsprechen.

Sozial:

  • Das gesamte Programm wird ausschließlich von lokalen Fachkräften getragen (Personal des Projekts, Homestead-Familien, Tänzerinnen/Tänzer, Musiker etc.). Trotz anfänglichen Widerstandes verfolgt das Projekt beharrlich den Weg der Gleichbehandlung von Mann und Frau und der verschiedenen Kastenangehörigen.

  • Wie dargestellt, ist BASIS ein integriertes Projekt, so dass eine Trennung der Bereiche Compound, Handproducts, Tourismus, Dorfentwicklung nicht möglich, ja gar nicht beabsichtigt ist. So soll nochmals erwähnt werden, dass das Gesamtprojekt bisher ca. 1.000 Menschen in verschiedenen Berufszweigen ausgebildet hat. Verbleibestudien über die Ausgebildeten und sozio-ökonomische Wirkungsanalysen fehlen leider bisher.

Kulturell:

  • Die Touristen werden in Diskussionen und auf ihren Reisen in der Region in die verschiedenen Religionen eingeführt, deren Symbole (Tempel, Moscheen, Kirchen) oftmals nahe beieinander liegen. Das dabei gezeigte Interesse der Gäste verstärkt vermutlich das Gefühl der Bevölkerung, diese religiöse Vielfalt als Reichtum zu begreifen.

  • Dazu trägt auch der gezielte Besuch der Touristen bei Bauern bei, die Mischkultur betreiben, denn die nach ökologischen Kriterien Produzierenden werden so in der Richtigkeit ihres Tuns bestärkt. Solchen Zuspruch können sie auch gut gebrauchen, angesichts der sie umgebenden Kollegen, die durch Monokultur und Chemieanwendung kurzfristig höhere Profite erzielen.


Wettbewerbskriterium:
Gewährleistung der Attraktivität touristischer Arbeitsplätze für Einheimische durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Bezug auf Entlohnung, soziale Sicherung, Arbeitszeiten sowie Aus- und Weiterbildung.

  • Die 25/30 Angestellten des Gesamtprojekts gehören verschiedenen Kasten an, die meisten zu den beiden untersten der fünfstufigen indischen Kastenordnung (mit unendlich vielen Unterstufen). Der Reiseleiter beispielsweise gehört der fünften und niedersten Kaste an. Gemäß Aussage, die in einem sechstägigen Aufenthalt nicht hinreichend überprüft werden konnte, sind anfängliche Friktionen im Laufe der Jahre normaler Kollegialität gewichen. Nicht unter Kastenzugehörigkeit zu leiden, macht das Projekt auch für an Mitarbeit Interessierte attraktiv, falls Posten neu besetzt oder neu geschaffen werden.

  • Je nach Arbeitsanfall arbeiten die 25/30 Angestellten des Gesamtprojekts in verschiedenen Bereichen, was als Bereicherung angesehen wird, da solch temporärer Wechsel Routine vorbeugt und das Spektrum persönlicher Fähigkeiten erweitert. Der Reiseleiter wurde in Deutschland ausgebildet und spricht gut Deutsch. Als weitere Kräfte für den Tourismusbereich wurden ausgebildet: ein Reiseleiter, ein Fahrer und eine Krankenschwester. Sie werden bei hohem Arbeitsanfall zusätzlich saisonal eingesetzt.

  • Es existieren keine schriftlichen Arbeitsverträge, was mit der traditionellen oralen Kommunikationskultur Indiens begründet werden mag, aber zu Ungewissheit und Abhängigkeit der Angestellten führen kann. Die auf Vertrauen beruhenden mündlichen Verträge sehen vor:
    - ein monatliches Basisgehalt von Rs. 3.000 für alle. Laufen die Geschäfte gut, wird die Differenz bis zur vereinbarten Gehaltshöhe bezahlt/nachbezahlt (höchstes Gehalt beträgt Rs. 6.000). Dafür aber gibt es eine Jobgarantie und einen kostenlosen Imbiss pro Tag.
    - 20 Prozent des Gehalts Unverheirateter und zehn Prozent des Gehalts Verheirateter werden abgeführt in eine Altersvorsorgekasse, die bei Ausscheiden mit Zinsen zur Auszahlung kommt und in einen Rotationsfonds, aus dem die Mitarbeiter per Los rückzahlbare Geldmittel ziehen können.
    - Mitarbeiter können vom Projekt einen Kredit zu fünf Prozent Verzinsung, rückzahlbar in sechs Monaten erhalten; die Zinsbeträge werden in eine Kasse bezahlt, aus der einmal pro Jahr ein gemeinsamer Ausflug zusammen mit den Mitarbeiterfamilien zum Zweck von "team building" finanziert wird.
    - Kostenlose Medizin und Behandlung einfacher Fälle durch Frau Moozhiyil.
    - Gehaltszuschläge für Festtage, Hochzeiten, Geburten, Schulbeginn, Sterbefälle,Wohnungsbau.
    - Arbeitszeiten von 9.00 -17.00 Uhr wie beim Staat.
    - Urlaub gemäß staatlicher Regelung: variabel je nach Familienereignissen.

Viele Vertragskomponenten sind in Indien üblich. Innovativ und attraktiv sind sicherlich die Jobgarantie - ein geschätztes Gut angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Kerala - und die flexiblen Einsätze in den verschiedenen Projektbereichen, was die Jobgarantie ermöglicht und zur beruflichen Weiterbildung entscheidend beiträgt.


Wettbewerbskriterium:
Stärkung der einheimischen Kultur sowie der kulturellen Identität der in touristischen Zielgebieten lebenden Menschen.

  • Die Gebäude im Compound sind im traditionellen Baustil errichtet. Besonders gelungene Beispiele sind der ayurvedische Behandlungsraum und die fast fertiggestellte ayurvedische Klinik. Werden im Dorf alte Häuser abgerissen und landen wertvolle Teile auf dem Schutt oder dem Brennholzstapel, dann werden sie vom Projekt gesammelt, aufbereitet/renoviert und in die Projektgebäude an passender Stelle integriert.

  • Dem hohen Kulturgut Ayurveda (Wissenschaft vom Leben) wird große Aufmerksamkeit gewidmet, nicht zuletzt durch die Ausbildung und Anstellung einer ayurvedischen Köchin.

  • Der religiösen Pluralität Keralas wird großer Respekt entgegengebracht, indem mit den durch vorherige Gespräche vorbereiteten Touristen Tempel, Kirchen, Moscheen und Feste besucht werden.

  • Erwähnt wurde bereits die Demonstration von Mischkultur auf dem Compound und der gezielte Besuch und damit die Ermunterung von Bauern, die sich der traditionellen Mischkultur und ökologischem Landbau verpflichtet haben. Ebenso werden Leute unterstützt, die im Prozess der Verarbeitung und Vermarktung solcher Produkte stehen, indem man touristische Aufmerksamkeit auf sie lenkt.

  • Familie Moozhiyil, bewandert in beiden Kulturen, der hinduistisch-christlich-muslimischen Keralas und der christlich-säkularen Deutschlands, begreifen sich als "Botschafter zwischen den Kulturen" (Moozhiyil): Bei sich bietender Gelegenheit weisen sie auf Vorzüge und Schattenseiten der beiden Kulturen hin - ein wichtiger Beitrag zu Selbstreflexion und Identitätsfindung in den Tagen der Globalisierung mit ihrer beschleunigten Zeit und der verkleinerten Welt.

  • Das Projekt fördert den traditionellen indischen Tempeltanz "Kathakali", entweder durch Besuche oder durch Einladung der Tänzerinnen, Tänzer und Musikanten: Bedeutet das Kommerzialisierung und Sinnentleerung oder Stärkung der einheimischen Kultur? Die Schriftstellerin Arundhati Roy wuchs im Kottayam Distrikt von Kerala auf und schreibt dazu (Der Gott der kleinen Dinge, S. 262): "In Ayemenem tanzten sie... ihre gestutzten Swimmingpool-Vorstellungen. Ihre Hinwendung zum Tourismus, um den Hungertod abzuwehren. Auf dem Rückweg... kehrten sie im Tempel ein, um ihre Götter um Vergebung zu bitten. Um sich für die Korrumpierung ihrer Geschichten zu entschuldigen. Dafür, dass sie ihre Identität zu Geld machten. Ihr Leben veruntreuten."

Der Autor sah zusammen mit Waschbär-Reisenden eine Kathakali-Vorführung im Compound. Es war ein würdiges Erlebnis: Die Musikinstrumente wurden gesegnet, vor und nach dem Tanz wurde gebetet und jeder Tanz begann mit einer einführenden Erklärung. In einem späteren Gespräch wurde erklärt, diese Tänze, die Geschichten aus dem indischen Nationalepos "Mahabharata" erzählen, können jederzeit, auch unabhängig von entsprechenden Festtagen, aufgeführt werden, es komme auf den richtigen Rahmen und die richtige Haltung der Zuschauer an. Außerdem werde ein bedeutendes Stück Kultur am Leben erhalten und den Tänzerinnen ihr Ansehen und ihre Würde zurückgegeben, die sie in früheren Zeiten genossen und während der Jahre der britischen Herrschaft verloren hatten, als man ihre Tänze für vulgär erklärte und die Tänzerinnen der Prostitution verdächtigte.

Wettbewerbskriterium:
Vermeidung/Minimierung tourismusbedingter sozialer und kultureller Schäden in touristischen Zielgebieten.

  • Diesem Kriterium versucht BASIS gerecht zu werden durch Begrenzung der jährlichen Touristenzahlen und durch Dezentralisierung. Um die soziale und kulturelle Aufnahmekapazität von Sreekandamangalam nicht überzustrapazieren (aber auch, um Familie Moozhiyil Regenerationsphasen zu ermöglichen), werden maximal 48 Urlauber in vier Gruppen übers Jahr verteilt für je drei Wochen betreut. Mittlerweile hat das Gesamtprojekt einen so hohen Akzeptanzgrad erreicht, dass an eine Erhöhung der jährlichen Besucherzahlen gedacht werden kann. Die Touristen wohnen zeitweise bei Homestead-Familien außerhalb des Projektortes und sind einen guten Teil der drei Wochen in Südindien unterwegs.

  • Die Programmteile werden vor und nach ihrer Realisierung mit den Gästen besprochen: ad hoc unterwegs oder im Speiseraum des Compounds, wo das gemeinsame Abendessen meist auch zu vor- und nachbereitenden Diskussionen genutzt wird. Informationsmaterial und eine Bibliothek sind wertvolle Ergänzungen.

  • Das Konzept der Einbindung des verhältnismäßig kleinen Tourismussektors in das große und komplexe Dorfentwicklungsprojekt verhilft Gästen dazu, sich nicht als klassische Touristen mit Anspruch auf Erholung und Bedientwerden zu verstehen (wenigstens nicht während ihres Aufenthaltes in Sreekandamangalam). Dies ist ihrer sozialen und kulturellen Sensibilisierung sehr förderlich (wovon vor allem Einträge ins Gästebuch, "Familienbuch" genannt, zeugen) und trägt zur Minimierung sozio-kultureller Schädigungen bei.

Wettbewerbskriterium:
Beschreitung neuer Wege für eine partnerschaftliche Kooperation zwischen externem Tourismusgewerbe und ortsansässiger Bevölkerung.

  • Partner des "externen Tourismusgewerbes" ist bisher nur Waschbär-Reisen, Deutschland. BASIS wollte richtigerweise während der Aufbau- und Akzeptanzphase des Projekts keine Risiken eingehen und wurde von Waschbär-Reisen nicht enttäuscht: Offenbar buchen dort vorrangig sensible Touristen. Unter dieser Bedingung ist BASIS bereit, auch Gruppen von anderen Reiseveranstaltern willkommen zu heißen. Individualtouristen werden nur dann angenommen, wenn sie bereits positiv bekannt sind (schon mal im Projekt gewesen, von der Indienhilfe Gießen empfohlen u.ä.).

  • BASIS schickt nach jeder betreuten Gruppe einen Bericht an Waschbär-Reisen, der über Ablauf, Engpässe etc. informiert, so dass Waschbär-Reisen dies bei der Kundenberatung berücksichtigen kann.

    Zwischen Waschbär-Reisen und BASIS INTERNATIONAL operieren keine lokalen Tour Operators. Die "ownership" des Sektors liegt gänzlich beim Projekt. Von den 45 Euro /Tourist/Tag verbleiben etwa 70 Prozent im Projekt und in der Dorfentwicklung: Unterkunft, Verpflegung, Gehälter, Profit. Der Rest muss aufgebracht werden für Fahrtkosten, Eintritte und Steuern.

    Das Konzept der Einbindung des verhältnismäßig kleinen Tourismussektors in das große und komplexe Dorfentwicklungsprojekt hilft, die Kluft zwischen Reisenden und Bereisten etwas zu verringern und das Diener-/Bediente-Verhältnis in ein eher partnerschaftliches Neben- und Miteinander zu überführen.

    BASIS praktiziert bereits eine Art "Projekttourismus" zusammen mit Waschbär-Reisen (Touristen) und der Carl Duisberg Gesellschaft (ASA-Stipendiaten). Das Public Private Partnership (PPP) Programm von BMZ und GTZ könnte von den in Sreekandamangalam gemachten Erfahrungen profitieren.


Wettbewerbskriterium:
Schaffung von sonstigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für eine sozialverantwortliche Tourismusentwicklung in Zielgebieten.

  • Als "Botschafter zwischen den Kulturen" investiert Familie Moozhiyil im Interesse der Förderung eines sozialverantwortlichen Tourismus beträchtliche Energie in Brief- und Telefonkontakt mit Journalisten und Fernsehteams (zwei Berichte wurden bereits gesendet WDR ).

  • Mit dem festangestellten Reiseleiter (Mr. Johnny) wird in dessen Dorf eine Dependance/ Replikation/Kopie von BASIS INTERNATIONAL aufgebaut, um sozialverantwortlichem Tourismus in der Region zu mehr Bedeutung und Schwung zu verhelfen und um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern, falls dem Ehepaar Moozhiyil die Kräfte schwinden.

  • Die Verbindung zu staatlichen Stellen des Tourismusbereichs ist noch zart, doch BASIS INTERNATIONAL will seine Erfahrungen in die Entwicklung von Tourismus-Masterplänen für die Küsten-, die Backwaters- und die Bergregion einbringen.

Wettbewerbskriterium:
Die zum Wettbewerb angemeldeten Projekte/Maßnahmen müssen mit den Prinzipien der Umweltverträglicheit vereinbar sein.

  • Das ganze Projekt ist ausgerichtet auf eine Wiederherstellung der ökologischen Balance und deren Erhalt. Sichtbarster Ausdruck ist die praktizierte Mischkultur auf dem Compound sowie ihre Förderung im Ort und in der Region - von Anbau über Verarbeitung bis hin zur Vermarktung.

  • Das Projekt legt Wert auf Energiesparen durch Einsatz von speziellen Lampen, Solarstrom für die ayurvedische Klinik, Abfallholz und Biogas zum Kochen und durch Verzicht auf Ventilatoren durch die Anwendung einer raumkühlenden Bauweise.

  • Abfälle werden getrennt und Wertstoffe verkauft. Öle (aus der ayurvedischen Klinik), Seifenwasser, Toilettenwasser werden verschiedenen Kammern zugeführt und aufbereitet.

  • Für Bettwäsche, Vorhänge etc. werden nur Naturstoffe verwendet.

  • Außer wenigen Produkten, die hinzugekauft werden müssen, werden die Mahlzeiten aus der Kreislaufbewirtschaftung des Compounds entnommen.


5. EMPFEHLUNGEN

Das Gesamtprojekt hat mittlerweile eine Größe und Komplexität erreicht, die es dringend erforderlich machen, sich nicht nur auf das Gedächtnis der Familie Moozhiyil und der Mitarbeiter zu verlassen, sondern ein Monitoring- und Evaluierungssystem einzuführen (vielleicht mit Hilfe eines kompetenten ASA-Stipendiaten), wodurch systematisch die Durchführung der Projektkomponenten beobachtet wird, ihre Wirkungen bewertet werden und beides dokumentiert wird. Es besteht ansonsten die Gefahr der zu starken Fokussierung auf einige Wissensträger, der Verzettelung und des Übersehens von vor allem ungeplanten Wirkungen der Maßnahmen - all das wäre einer kontinuierlichen partizipativen Planung abträglich.

Die kaum mehr zu bewältigende Größe des Gesamtprojekts, das noch durch weitere geplante Maßnahmen erweitert werden soll, lässt es angeraten erscheinen, sich zunehmend geeigneter lokaler staatlicher und nicht-staatlicher Institutionen zu bedienen, sie zu fördern und zu stärken. So könnte das Projekt als funktional, räumlich, wirtschaftlich und zeitlich abgegrenztes Maßnahmenbündel in ein Kooperationsprogramm mit lokalen Partnern überführt werden, was auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit wäre.

Eine vernünftige Steigerung der Touristenzahlen sollte angestrebt werden, um graduell vom Tropf des Förderkreises Indien wegzukommen. Der Aussage von Anisha Schubert (1999, S. 19) ist voll zuzustimmen: "Zwar ist die Zusammenarbeit mit dem Förderkeis Indienhilfe e.V. gut und auf freundschaftlicher Basis aufgebaut, es bleiben jedoch Abhängigkeit, Ungleichgewicht, Zwang zur Rechtfertigung von Ausgaben, Anträge etc., um die Förderung zu erhalten. Der Schritt zur Unabhängigkeit durch Tourismus und Produktion - das heißt Finanzierung durch Leistung - führte auch bei MitarbeiterIinnen zu größerer Verantwortungsbereitschaft und höherer Leistung als bei Finanzierung durch Spenden."

Den Angestellten sollten schriftliche Arbeitsverträge gegeben werden. Das würde Ungewissheits- und Abhängigkeitsgefühle erst gar nicht aufkommen lassen. Die Vorlage eines schriftlichen Dokuments mit vertraglich festgelegter Aufgabenbeschreibung und Regelungen des Arbeitsverhältnisses ist hilfreich bei einem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber.

Das Programm könnte bereichert werden durch Aufnahme von Wanderrouten, vor allem in den Western Ghats. Trekking ist arbeitsintensiv und erzielt eine relativ hohe Einkommensstreuung. Außerdem fördert es meditatives Begegnen mit sich und der Umwelt.

Die Begegnung der Kulturen - eines der Hauptziele des Projekts - sollte nicht auf deutsche Urlauber beschränkt bleiben. Evtl. sollte dem Projekt Hilfe geleistet werden bei der Identifizierung von geeigneten Partnern des externen Tourismusgewerbes außerhalb Deutschlands.

6. FAZIT

Es ist den Initiatoren und Akteuren von BASIS Projects gelungen, aus einer ganzheitlichen Problemanalyse Ziele für ein integriertes Dorfentwicklungsprojekt zu formulieren und dieses schrittweise aufzubauen. Die Einbettung von BASIS INTERNATIONAL in das Dorfent-wicklungsprojekt kommt diesem und den Touristen zugute: Dorfbewohner profitieren von positiven ökonomischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen des Tourismus, und Touristen können vielfältige und tiefe Einblicke in die Lebensumstände der Einheimischen gewinnen. Zielsetzung und Konzept von BASIS Projects sind in vollem Umfang zu bejahen. Zur Umsetzung sollten einige Instrumente eingeführt bzw. verbessert werden: der Aufbau eines partizipativen Monitoring- und Evaluierungssystems, die verstärkte Einbeziehung staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen/Organisationen sowie der Ausbau von BASIS INTERNATIONAL und BASIS Handproducts, mit der Zielsetzung, von Spendengeldern unabhängig zu werden.

Adresse:
BASIS INTERNATIONAL
Dr. Mathew Moozhiyil,
Kottayam 686 562, Kerala, Indien
Tel.: 0091-481-597102, Fax: 0091-481-598102
E-Mail: basispro@md4.vsnl.net.in
Website: http://www.waschbaer-reisen.de
Kontaktadresse in Deutschland:
Waschbär-Reisen GmbH
in Deutschland Franz-Heß-Straße 4, D-79282 Ballrechten
Tel.: 0049-7634-591155, Fax: 0049-7634-591156
E-Mail: Info@waschbaer-reisen. de
Website: http://www.waschbaer-reisen.de


Veranstalter des TO DO! 2001 - Wettbewerbs:

Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.

in Zusammenarbeit mit:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Ecumenical Coalition on Third World Tourism
Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) - Tourism Watch
Katholisches Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Klett-Perthes-Verlag
Messe Berlin GmbH
Österreichische Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium/respect