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TO
DO!2001 Preisträger: DAS
TOURISMUSPROJEKT vertreten durch: Dr. Mathew und Leelamony
Moozhiyil, Sreekandamangalam,
Gemeinde Athirampuzha, Begründung
für die Preisverleihung "Die
Poesie des Reisens liegt im organischen Angliedern von Neuerworbenem,
1. EINLEITUNG Der Gutachter war vom 14.-19.11.2001 im Auftrag des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung e.V. im Bundesstaat Kerala, in Südindien. Ziel des Aufenthaltes war die Beurteilung des Projekts BASIS INTERNATIONAL mit Sitz in Sreekandamangalam ("Ort von Shiva"). Der kleine Ort gehört zur Gemeinde Athirampuzha (sprich Athirampura) und liegt im Distrikt Kottayam. Das Projekt wurde von seinem deutschen Kooperationspartner Waschbär-Reisen GmbH, Ballrechten, zum Wettbewerb TO DO!2001 eingereicht. Dank der hervorragenden Unterstützung der BASIS-Mitarbeiter und besonders der BASIS-Gründer, Leelamony und Mathew Moozhiyil (sprich Murhiyil) konnte der Auftrag ohne Komplikationen durchgeführt werden. Dem Gutachter wurden sowohl umfassende Einblicke in die Arbeitsweise und Organisationsstruktur von BASIS gewährt. Die wichtigsten Beobachtungen des Gutachters wurden vor Rückreise mit Familie Moozhiyil besprochen. Der beauftragte Gutachter schlägt nach Maßgabe der gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse vor, das Projekt BASIS INTERNATIONAL während der ITB 2002 mit einem TO DO!-Preis auszuzeichnen. 2. HINTERGRUND Mit rund 33 Millionen Einwohnern ist Kerala nach West Bengalen der am dichtesten bevölkerte Staat Indiens. Da der größte Teil der mehrheitlich ländlichen Bevölkerung (ca. 22 Millionen) aber "unter Bäumen" inmitten des bebauten Landes in Streudörfern lebt, hat man nicht den Eindruck von Enge und Übervölkerung. Vom Flugzeug aus gesehen erscheinen weite Gebiete als Wald, unterbrochen von Lichtungen. Der "Wald" besteht aber größtenteils aus Palmen und Gummibäumen (Kerala bedeutet "Land der Palmen"), unter denen sich die Dörfer befinden. Die "Lichtungen" sind Teeplantagen und Reisfelder. Die geographischen Regionen Keralas gliedern sich in die Küstenregion (mit weit sich ins Hinterland verzweigenden Flussarmen und Lagunen, den sog. "backwaters"), in das mittlere Hügelland und das Bergland (die sog. "Western Ghats", mit bis 2.700 Meter hohen Bergen). Kerala beherbergt eine vielfältige und reichhaltige Flora und Fauna, die allerdings durch Monokulturen beeinträchtigt sind: in den tieferen Lagen durch Kautschuk-, in den höheren durch Tee-, Kaffee- und Cardamomplantagen (Kautschukanbau wird von der Regierung subventioniert, Plantagen sind von der Landreform ausgenommen). Hier wachsen etwa 25 Prozent aller 15.000 Pflanzenarten Indiens, die auf Kultur- und Grasland und in tropischem Regen- und Nebelwald vorkommen. Zwei Drittel der 3.750 Pflanzenarten Keralas sind endemisch. Diesem Pflanzenreichtum entspricht eine ungewöhnlich mannigfaltige Tierwelt: Ungefähr 100 Säugetier-, 550 Vogel- und 170 Reptilienarten finden hier einen Lebensraum; darunter Antilopen, Gazellen, Tiger, Leoparden, Büffel, Wildschweine, Wildhunde, Elefanten, verschiedene Affenarten, Bären, Krokodile, Schildkröten und Schlangen. Sie leben in und außerhalb der 13 Nationalparks und Tierreservate, sind jedoch gefährdet: durch Monokulturen, Staudämme, Rodungen, Erosion, Flussverschlammung, Wilddiebstahl, Überfischung, Industrieabwässer und Pestizide. Das Küstenland Kerala ist sehr von überseeischen Einflüssen und von unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten geprägt. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind Christen, weitere 20 Prozent Muslime, knapp 60 Prozent sind Hindus (im Unterschied zu Gesamtindien: 2, 10, 88 Prozent). Daneben gibt es noch eine kleine Gruppe von Juden. In der Heimatgemeinde von BASIS INTERNATIONAL, in Sreekandamangalam bzw. Athirampuzha, sind die Christen allerdings in der Mehrzahl. Kirchen, Moscheen, Tempel und Synagogen zeugen überall von der Vielfalt religiösen Lebens. Größere religiös begründete Konflikte sind nicht bekannt. Doch die Tatsache, dass christliche Kirchen und Muslime sich starker finanzieller Unterstützung aus Übersee erfreuen, Hindus aber auf sich selbst gestellt sind und die Tatsache, dass manche christlichen Gemeinden ihre Hochfeste allzu pompös und die Hindus mit Lautsprechern beschallend feiern, könnte dieses friedliche Nebeneinander eines Tages gefährden. Das Kastenwesen ist in Kerala sehr stark ausgeprägt. Kastenregeln - vor allem im Verhältnis der Kasten untereinander - werden im Allgemeinen streng eingehalten. Sogar Christen sind in zwei Kasten eingeteilt: Die Nachfahren der bis zur beginnenden britischen Kolonialherrschaft zum Christentum konvertierten Hindus werden der (christlichen) Brahmanenkaste zugeordnet; die unterkastigen Hindus, die sich während der britischen Herrschaft taufen ließen und deren Nachfahren werden den (christlichen) Unterkasten zugeordnet werden. Die Hindu-Brahmanen praktizieren ein patri-lineares Erbsystem, die in der Hierarchie tiefer Stehenden ein matri-lineares - was aber die allgemeine Praxis patriarchalischer Entscheidungsfindung nicht ausschließt. Das Wirken Mahatma Gandhis und seiner Schüler - in Kerala vor allem Sree Narayana Guru - haben der Kastenordnung etwas von ihrer Rigidität genommen; jedoch sicher nicht genug, wie die flammende Anklage der aus dem Kottayam Distrikt stammenden Schriftstellerin Arundhati Roy in ihrem Buch "Der Gott der kleinen Dinge" beweist. Kerala zeichnet sich mit der höchsten Alphabetisierungsrate Indiens aus. Sie schwankt je nach Altersgruppe zwischen 90 und 100 Prozent. Gleichzeitig hat dieser Bundesstaat den größten Prozentsatz von Menschen, die für gehobene Positionen ausgebildet worden sind, ohne dass sie eine entsprechende Arbeit finden können. Der Grund: Keralas Industrialisierung ist wenig fortgeschritten, es dominieren die exportorientierte Land-, Forst-, Plantagen- und Fischereiwirtschaft (Kautschuk, Kokosprodukte, Tapioka, Zitronengrasöl, Tee, Kaffee, Gewürze, Cardamom). Die an der Mischkultur orientierte Selbstversorgerwirtschaft ist so stark auf dem Rückzug, dass Fleisch, Gemüse und Getreide importiert werden müssen. Das Einkommen in Kerala liegt unter dem durchschnittlichen nationalen Pro-Kopf-Einkommen; Kerala ist einer der ärmsten Staaten Indiens. Das hat merkwürdigerweise auch mit der halbwegs erfolgreichen Landreform und dem niedrigen Bildungsstand zu tun: Auf den nun vielen Menschen zur Verfügung stehenden kleineren Flächen können Maschinen nicht wirtschaftlich eingesetzt werden. Und das (erreichte) Bildungsniveau verleitet dazu, handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit als minderwertig anzusehen und statt dessen "white collar jobs" anzustreben. Das damit verbundene Risiko, lange Zeit arbeitslos zu sein, wird oftmals in Kauf genommen. Außerdem ermuntert(e) die staatliche Quotenregel, die den Zugang aller Kasten zu Staatsdienst und Studiengängen sichern soll, viele Angehörige der unteren Kasten zu einer Beamtenlaufbahn, was wiederum den Mangel an handwerklichen Fachkräften verschärft hat. Kerala verfügt über ein großes ökologisches und soziokulturelles touristisches Potenzial, das weder recht entdeckt noch genutzt ist. Deshalb hat vor kurzem Keralas Department of Tourism entschieden, Masterpläne für die Küsten-, Backwaters- und Bergregion (Western Ghats) zu entwickeln. 3. DAS TOURISMUSPROJEKT BASIS INTERNATIONAL ALS TEIL DES BASIS PROJEKTS DORFENTWICKLUNG 3.1 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE BASIS INTERNATIONAL ist Teil von BASIS Projects. BASIS ist die Abkürzung von "Basic Agricultural and Social Improvement Schemes". BASIS Projects wurde im Mai 1990 vom Ehepaar Dr. Mathew und Leelamony Moozhiyil in Sreekandamangalam gegründet. Beide hatten zuvor 20 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet, er als Agrarwissenschaftler, sie als Krankenschwester. Nach ihrer Rückkehr nach Kerala kauften sie mit Hilfe privater deutscher Unterstützung ein zwei Hektar großes Grundstück in Sreekandamangalam inkl. des darauf gebauten Hauses eines ehemaligen Gummibaum-Plantagenbetreibers. Die Moozhiyils ersetzten die schädliche Monokultur durch angepasste Mischkultur (Kokos, Papaya, Mango, Jackfruit, Bananen, Ananas, Zimt, Muskat, Gewürznelken, Pfeffer, Knollenfrüchte, Reis). Diese Vorgehensweise ermöglicht heute die Selbstversorgung von circa 20 Personen im Jahr. Erwirtschaftete Überschüsse wurden verkauft und bildeten den Grundstock für die späteren Projektinitiativen. Die Mischkultur auf dem Anwesen der Familie Moozhiyil wurde ergänzt durch Tierhaltung (Rinder, Schweine, Ziegen, Hühner), deren Abfälle als Dünger der Pflanzenproduktion zugute kommen. Ein das biologische Gleichgewicht haltender Kreislauf wurde so geschaffen. Daneben wurde die Errichtung von Gästeunterkünften, Küche und Speiseraum direkt neben dem Wohnhaus der Familie Moozhiyil aus eigenen Ersparnissen finanziert. Diese Infrastruktur dient inzwischen als materielle Basis für den Bereich von BASIS INTERNATIONAL. 3.2 ORGANISATIONSSTRUKTUR UND FINANZIERUNG BASIS Projects ist eine private Familienstiftung (trust), die auch zwei kommerzielle finanziell und rechtlich getrennte Unternehmensbereiche (enterprises) umfasst, nämlich BASIS INTERNATIONAL und BASIS Handproducts. Aus beiden werden Gewinne erzielt und Steuern abgeführt. Die Gewinne kommen nicht der Familie Moozhiyil zugute, sondern wandern in die Aktivitäten der Stiftung. Die Unternehmen sind bei der Regierung von Kerala registriert. Für die Stiftung ist eine Registrierung nicht vorgeschrieben, und für den Verkauf landwirtschaftlicher Rohprodukte sind keine Steuern abzuführen. BASIS Projects hat derzeit 25 ständig Beschäftigte und fünf saisonale Angestellte (vorrangig unterkastige Hindus). Je nach Arbeitsanfall und Eignung wechseln die Mitarbeiter innerhalb der verschiedenen Bereiche. Situationsbedingt werden die Löhne aus den jeweils prosperierenden Bereichen bezahlt. Diese temporären Verschiebungen werden in der Buchhaltung dokumentiert. Zur tourismusorientierten Mannschaft gehören ein Reiseleiter, ein Fahrer, eine Köchin, eine Putzfrau und zwei "Allrounder". Bei Tagesausflügen helfen auch Leelamony und Theresa Moozhiyil (die Tochter) mit. Für BASIS INTERNATIONAL stehen sechs Doppelzimmer sowie ein Küchentrakt und ein Speise- / Aufenthaltsraum zur Verfügung. Im Bau befindlich ist ein Haus, das eine größere Familie aufnehmen kann. Im Ausbau außerdem: eine Ayurvedische Klinik mit Unterkünften für acht Personen zu physisch-psychischen Langzeitbehandlungen. Auf Wunsch werden Besucher auch zu Aufenthalten bei vier Farm-Familien des Distrikts weitervermittelt ("homestead tourism"). Zwei Büros, Computer und ein Kleinbus mit 15 Plätzen ergänzen die materielle Infrastruktur des Projekts. Das Gesamtprojekt hat ein jährliches Finanzvolumen von 30.000 - 50.000 Euro. Es setzt sich zu circa je einem Drittel zusammen aus Einkünften von BASIS Handproducts, von BASIS INTERNATIONAL und aus Spenden des Gießener "Förderkreis Indienhilfe e.V.", der eine Mindestüberweisung von knapp 10.000 Euro pro Jahr garantiert.
Aus der Problemanalyse ihrer Umgebung formulierte das Ehepaar Moozhiyil das Ziel des Dorfentwicklungsprojekts: "Ziel ist es, den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dorfes die Möglichkeit zu geben, durch Eigeninitiative ihre Selbstständigkeit zu entwickeln und ihre Lebenssituation zu verbessern." Um diese Absichten zu verwirklichen, hat das Projekt eine Fülle von Aktivitäten entfaltet. Dazu zählt die Aus- und Weiterbildung von interessierten Bewohnern zu Themen wie:
Bisher wurden ca. 1.000 Personen in den verschiedenen Berufen ausgebildet. Teilnehmende (und auch nicht teilnehmende) Eltern können ihre Kleinkinder gegen einen monatlichen Beitrag von 50 Rupien in die Obhut eines Projekt-Kindergartens geben, in dem die Kinder im Spielen lernen und nicht durch Pauken und Dressur. Jährlich im April und Mai wird bis zu ca. 100 Schulkindern aus der Umgebung ein vierwöchiges Ferienprogramm angeboten, um soziale Schranken abzubauen und Alternativen zum rigiden Schulsystem zu bieten. Trinkwasseranlagen
und Toiletten wurden zusammen mit Dorfbewohnern gebaut, wozu diese finanziell
und durch ihre Arbeitskraft beitrugen. Nothilfemaßnahmen (teils
durch Kredite) und Unterstützung von Hausbau (auch durch Vermittlung
günstiger Bankkredite) für von ihren Familien Verstoßene
(z.B. bei Liebesheirat), für allein Erziehende und Behinderte sowie
medizinische Grundversorgung und Beratung (durch Frau Moozhiyil) ergänzen
das Aktivitätsspektrum.
Das umfangreiche Dorfentwicklungsprojekt dient dabei als exemplarisches Vehikel - ein Mikro- im Makrokosmos von Kerala/Indien und ein Lernobjekt par excellence. Zur Förderung internationaler Begegnung und persönlicher Entfaltung wurden im Rahmen des Projekts von 1990 bis 1997 dreizehn sechswöchige internationale Workcamps durchgeführt. An ihnen nahmen 130 junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren teil. Sie arbeiteten je nach Eignung und Neigung in den verschiedenen Dorfentwicklungsbereichen mit. Das Programm wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, dann 1997 wegen ausbleibender Förderung eingestellt. Zur Förderung internationaler Begegnung und um auf action-research basierende Unterstützung in gewissen Fachfragen zu erhalten, beantragt BASIS seit 1996 immer wieder ASA-Stipendiaten (Arbeits-Studien-Aufenthalte) bei der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG). 14 haben bisher ihre Arbeiten abgeschlossen, drei sind gerade dabei. Die ayurvedische Klinik nähert sich der Fertigstellung. In ihr werden Gäste in den Genuss ganzheitlicher asiatischer Heilmethoden kommen und dann eine intensive interkulturelle Erfahrung mit nach Hause nehmen. Das ursprüngliche Tourismusprogramm wird seit 1997 mit Hilfe von Waschbär-Reisen, Ballrechten, Deutschland durchgeführt. Dabei besuchen maximal viermal jährlich für drei Wochen zehn bis zwölf Personen das Projekt. Das Normalprogramm umfasst eine einwöchige Rundreise durch Kerala und Tamil Nadu, Tagesausflüge, Backwaters-Bootsfahrten, Elefantenritte, Integration in die Projektarbeit und viele Gespräche mit den Projektmitarbeitern. Das Programm kann flexibel gestaltet und z.B. durch Aufenthalte in Familien (bisher: Gewürzanbauer, Teefarmer, allgemeiner Bauer, Fischer; Spektrum wird erweitert) ergänzt werden. Änderungen werden aber so vorgenommen, dass Charakter und Intention des Aufenthaltes nicht beeinträchtigt werden. Seit Herbst 2001 wird das Programm "Indien for family" durchgeführt. Maximal zweimal im Jahr (Herbst- und Weihnachtsferien) werden sechs bis zwölf Personen aufgenommen, die indisches Dorfleben, Schulen, Märkte, Feste, Flora und Fauna kennen lernen sollen. Außerdem werden kindergerechte Programme angeboten. 4. EINSCHÄTZUNG Der Vergleich von BASIS INTERNATIONAL mit den TODO!-Kriterien für sozialverantwortlichen Tourismus führt zu folgender Bewertung:
Wettbewerbskriterium: BASIS INTERNATIONAL ist eingebettet in das ständig wachsende Dorfentwicklungsprojekt, das zum Teil sogar staatliche Funktionen wahrnimmt, da der Staat seinen Aufgaben nicht bzw. qualitativ ungenügend nachkommt (Beispiele: Trinkwasserversorgung, medizinische Versorgung, Kindergarten). Es handelt sich um ein Selbsthilfeprojekt: Außer in absoluten Notfällen gibt es in keinem Bereich etwas umsonst.
Mit zunehmender Akzeptanz wächst die gegenseitige Partizipation, was sich darin zeigt, dass
Ökonomisch:
Sozial:
Kulturell:
Viele Vertragskomponenten sind in Indien üblich. Innovativ und attraktiv sind sicherlich die Jobgarantie - ein geschätztes Gut angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Kerala - und die flexiblen Einsätze in den verschiedenen Projektbereichen, was die Jobgarantie ermöglicht und zur beruflichen Weiterbildung entscheidend beiträgt.
Der Autor sah zusammen mit Waschbär-Reisenden eine Kathakali-Vorführung im Compound. Es war ein würdiges Erlebnis: Die Musikinstrumente wurden gesegnet, vor und nach dem Tanz wurde gebetet und jeder Tanz begann mit einer einführenden Erklärung. In einem späteren Gespräch wurde erklärt, diese Tänze, die Geschichten aus dem indischen Nationalepos "Mahabharata" erzählen, können jederzeit, auch unabhängig von entsprechenden Festtagen, aufgeführt werden, es komme auf den richtigen Rahmen und die richtige Haltung der Zuschauer an. Außerdem werde ein bedeutendes Stück Kultur am Leben erhalten und den Tänzerinnen ihr Ansehen und ihre Würde zurückgegeben, die sie in früheren Zeiten genossen und während der Jahre der britischen Herrschaft verloren hatten, als man ihre Tänze für vulgär erklärte und die Tänzerinnen der Prostitution verdächtigte. Wettbewerbskriterium:
Wettbewerbskriterium:
Wettbewerbskriterium:
Das Gesamtprojekt hat mittlerweile eine Größe und Komplexität erreicht, die es dringend erforderlich machen, sich nicht nur auf das Gedächtnis der Familie Moozhiyil und der Mitarbeiter zu verlassen, sondern ein Monitoring- und Evaluierungssystem einzuführen (vielleicht mit Hilfe eines kompetenten ASA-Stipendiaten), wodurch systematisch die Durchführung der Projektkomponenten beobachtet wird, ihre Wirkungen bewertet werden und beides dokumentiert wird. Es besteht ansonsten die Gefahr der zu starken Fokussierung auf einige Wissensträger, der Verzettelung und des Übersehens von vor allem ungeplanten Wirkungen der Maßnahmen - all das wäre einer kontinuierlichen partizipativen Planung abträglich. Die kaum mehr zu bewältigende Größe des Gesamtprojekts, das noch durch weitere geplante Maßnahmen erweitert werden soll, lässt es angeraten erscheinen, sich zunehmend geeigneter lokaler staatlicher und nicht-staatlicher Institutionen zu bedienen, sie zu fördern und zu stärken. So könnte das Projekt als funktional, räumlich, wirtschaftlich und zeitlich abgegrenztes Maßnahmenbündel in ein Kooperationsprogramm mit lokalen Partnern überführt werden, was auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit wäre. Eine vernünftige Steigerung der Touristenzahlen sollte angestrebt werden, um graduell vom Tropf des Förderkreises Indien wegzukommen. Der Aussage von Anisha Schubert (1999, S. 19) ist voll zuzustimmen: "Zwar ist die Zusammenarbeit mit dem Förderkeis Indienhilfe e.V. gut und auf freundschaftlicher Basis aufgebaut, es bleiben jedoch Abhängigkeit, Ungleichgewicht, Zwang zur Rechtfertigung von Ausgaben, Anträge etc., um die Förderung zu erhalten. Der Schritt zur Unabhängigkeit durch Tourismus und Produktion - das heißt Finanzierung durch Leistung - führte auch bei MitarbeiterIinnen zu größerer Verantwortungsbereitschaft und höherer Leistung als bei Finanzierung durch Spenden." Den Angestellten sollten schriftliche Arbeitsverträge gegeben werden. Das würde Ungewissheits- und Abhängigkeitsgefühle erst gar nicht aufkommen lassen. Die Vorlage eines schriftlichen Dokuments mit vertraglich festgelegter Aufgabenbeschreibung und Regelungen des Arbeitsverhältnisses ist hilfreich bei einem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber. Das Programm könnte bereichert werden durch Aufnahme von Wanderrouten, vor allem in den Western Ghats. Trekking ist arbeitsintensiv und erzielt eine relativ hohe Einkommensstreuung. Außerdem fördert es meditatives Begegnen mit sich und der Umwelt. Die Begegnung der Kulturen - eines der Hauptziele des Projekts - sollte nicht auf deutsche Urlauber beschränkt bleiben. Evtl. sollte dem Projekt Hilfe geleistet werden bei der Identifizierung von geeigneten Partnern des externen Tourismusgewerbes außerhalb Deutschlands. 6. FAZIT Es ist den Initiatoren und Akteuren von BASIS Projects gelungen, aus einer ganzheitlichen Problemanalyse Ziele für ein integriertes Dorfentwicklungsprojekt zu formulieren und dieses schrittweise aufzubauen. Die Einbettung von BASIS INTERNATIONAL in das Dorfent-wicklungsprojekt kommt diesem und den Touristen zugute: Dorfbewohner profitieren von positiven ökonomischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen des Tourismus, und Touristen können vielfältige und tiefe Einblicke in die Lebensumstände der Einheimischen gewinnen. Zielsetzung und Konzept von BASIS Projects sind in vollem Umfang zu bejahen. Zur Umsetzung sollten einige Instrumente eingeführt bzw. verbessert werden: der Aufbau eines partizipativen Monitoring- und Evaluierungssystems, die verstärkte Einbeziehung staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen/Organisationen sowie der Ausbau von BASIS INTERNATIONAL und BASIS Handproducts, mit der Zielsetzung, von Spendengeldern unabhängig zu werden.
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