Presse-Information
 


Seefeld, 10. März 2016
Nr. 6/2016

TO DO! 2016: Preisträger während der ITB geehrt

Preisträger-Projekte stehen exemplarisch für sozialverantwortlichen Tourismus, beispielgebende Ideen für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer

Seefeld, 10.03.2016 – Am 10. März wurden während der diesjährigen ITB Berlin die beiden Preisträger des TO DO! Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus geehrt. Die renommierte Ehrung geht an „Kabani – The Other Direction“ aus Indien sowie „The Pueblos Mancomunados“ aus Mexiko. Vertreter der Projekte nahmen im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Palais am Funkturm die Statuen und Urkunden entgegen.

Die mit dem TO DO! 2016 ausgezeichneten Tourismus-Projekte verfolgen vergleichbare Ziele: die Verbesserung der Lebenssituation der lokalen Bevölkerung durch behutsame und planvolle Entwicklung von touristischen Angeboten, Schaffung zusätzlicher Einkommensquellen und Stärkung des Selbstbewusstseins für die eigene Kultur und Tradition. Wichtigstes Kriterium für die Preisvergabe ist die Partizipation der einheimischen Bevölkerung bei Planung und Umsetzung touristischer Projekte. Auf diese Weise entsteht eine besondere Verbindung von Partizipation, Sozialverantwortlichkeit und Nachhaltigkeit.

Petra Thomas, Geschäftsführerin des „forum anders reisen“ in ihrer Laudatio auf die Preisträger: „Zwei herausragende Beispiele für von den lokalen Gemeinden gestaltete, touristische Konzepte im Einklang mit den Menschen und der Umwelt, die die positive Kraft einer nachhaltigen Tourismusentwicklung zeigen. (…) Denn die Dimensionen der Nachhaltigkeit lassen sich nur zusammen denken. Umwelt, Traditionen, Kulturgüter, soziale Gemeinschaft, Ernährung, Nutzung von Ressourcen – bei all diesen Aspekten geht es um den Lebensraum von Menschen (und auch Tieren) und damit um die Lebensbedingungen der Menschen selbst.“

„Kabani – The Other Direction” und „Kabani Community Tourism & Services Ltd.”
Bei „Kabani“ handelt es sich um eine Nichtregierungsorganisation und ein Sozialunternehmen in Kozhikode (Calicut, Bundesstaat Kerala in Südindien). „Kabani“ macht auf die negativen Auswirkungen des Tourismus aufmerksam und befördert als Gegenmodell eine nachhaltige, partizipative Dorfentwicklung. Die NGO begann 2005 mit Bauern in Wayanad ein erstes Tourismusprojekt zu etablieren und arbeitet heute mit Dorfgemeinschaften in verschiedenen Teilen Südindiens. Die Gäste sind direkt in Familien untergebracht und bekommen Einblicke in das Leben der Dorfbevölkerung. Mit der Gästebetreuung nach einem Rotationsprinzip erwirtschaften die Gastgeber ein Zusatzeinkommen, beispielsweise um Verluste in der Landwirtschaft abfedern und auf Bio-Anbau umstellen zu können. Weitere Teile des Einkommens aus dem Tourismus fließen in Dorfentwicklungsfonds, Trainingsprogramme, in den Auf- und Ausbau demokratischer Entscheidungs- und Kontrollstrukturen, in die Entwicklung von Kleinstunternehmen sowie in die politische Lobby- und Kampagnenarbeit.

Sumesh Mangalasseri, Gründer und Geschäftsführer von Kabani, nahm die Ehrung entgegen: „Winning an award means a lot to us. It brings a feeling of recognition, honor, fame, happiness, pride and so on. But at the same time this also brings a kind of fear because the award is a sweet responsibility which people have put on us. We hope we will get further support; solidarity and togetherness from you all in our journey towards an ‘other direction‘ in tourism."

Pueblos Mancomunados
Die Pueblos Mancomunados – im Bundesstaat Oaxaca gelegen – verkörpern den Zusammenschluss von acht indigenen Zapoteken-Dörfern in der Sierra Norte zur Förderung einer lokalen und selbstbestimmten Tourismusentwicklung. Angeboten werden geführte mehrtägige Wanderungen oder Tagestouren zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Im Mittelpunkt stehen ferner die Annäherungen an die zapotekische Kultur, das Kennenlernen der vielfältigen Fauna und Flora in den Wäldern ringsum und der regionalen Küche.

In den Pueblos Mancomunados wird ausschließlich nachhaltige Waldwirtschaft betrieben und besonderer Wert auf Umweltschutz gelegt. Der Tourismus soll Einkommen in den Dörfern generieren. Dazu muss jedes Mitglied der Dorfgemeinschaft unentgeltlich seinen Beitrag leisten. Alle touristischen Leistungen – wie Unterkunft, Verpflegung und Organisation von Ausflügen – werden ausschließlich von den Einwohnern erbracht. Somit liegt die gesamte Tourismusplanung in Händen der Dörfergemeinschaft. Die Pueblos Mancomunados gelten landesweit – sowohl was ihre ökotouristischen Programme betrifft, wie auch ihrer kommunalen Selbstverwaltung wegen – als Vorzeigemodell.

Angelina Martinez Pérez, Geschäftsführerin des Projektes, in ihrer Projektpräsentation: „Throughout this history, we have learned two important lessons: 1) it is not wise to place in the hands of others the development and own welfare and 2) mastering new situations, such as starting and maintaining a tourism business, is only achieved when the people appropriate the situation, the only way you learn and from this it is possible to develop a coherent strategic thinking with the goals emanating from the our cultural identity.”

SST – langjähriger Förderer des TO DO!
Für die Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus (SST), Fördermitglied und Stifterin des Preisgeldes im TO DO! Wettbewerb, übergab Hansjörg Ruf, Präsident des Stiftungsrates, das Preisgeld in Höhe von 5.000 Schweizer Franken an jedes der beiden Projekte. Das Preisgeld soll die Weiterentwicklung der Vorhaben befördern.

Die beiden TO DO! Preisträger sind gelungene Beispiele für den nachhaltigen Erfolg sozialverantwortlicher Konzepte, insbesondere durch die intensive Beteiligung der einheimischen Bevölkerung bei der Tourismusentwicklung. Damit können sie Best-Practice-Beispiele für andere Tourismusregionen darstellen.

Claudia Mitteneder, Geschäftsführerin des Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, hatte während der Preisverleihung auf die ungebrochene Aktualität eines sozialverantwortlichen und damit nachhaltig angelegten Tourismus hingewiesen: „Tourismus ist aus unserer Sicht dann nachhaltig, wenn er sozialverantwortlich ist. Die Beachtung ökologischer Aspekte des Reisens ist also notwendige Voraussetzung dafür, dass Begegnungen im touristischen Kontext letztlich zum Abbau von Stereotypen, zu gegenseitigem Respekt und zu partnerschaftlichem Handeln führen. Der TO DO! will solchen Ansätzen eine Bühne geben – die Projekte zum Gedankenaustausch ermutigen und Reisende inspirieren, sich auf eine andere Art des Reisens einzulassen.“

Neben dem Preisgeld der SST erhalten die prämierten Projekte jeweils eine TO DO! Skulptur, die in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Münchner Berufsfachschule für Holzbildhauerhandwerk erstellt wurde. Umgesetzt wurden die Objekte durch die 22-jährige Künstlerin Teresa Friedrich.

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung beschäftigt sich mit entwicklungsbezogener Informations- und Bildungsarbeit im Tourismus. In diesem Zusammenhang gibt er Publikationen heraus, führt internationale Wettbewerbe durch, veranstaltet Aus- und Fortbildungsseminare für im Tourismus Beschäftigte, ist in den Bereichen Tourismusforschung und -beratung tätig und beteiligt sich am Dialog über Fragen touristischer Entwicklung.

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