Presse-Information
 


Seefeld, 4. März 2015
Nr. 3/2015


TO DO! 2014: Preisträger aus Costa Rica, Indien und Usbekistan


Studienkreis-Messestand:
Halle 4.1, Stand 236
Alle Veranstaltungen des Studienkreises auf der ITB finden Sie unter www.studienkreis.org

Die 20. Preisverleihung des internationalen Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus fand am 4. März 2015 in Rahmen der diesjährigen ITB Berlin am 4. März 2015 ab 14:30 Uhr auf der Bühne in Halle 4.1 statt.

Die Vereinigung für ländlichen Gemeindetourismus ACTUAR in Costa Rica, der Slumtouren-Veranstalter Reality Tours & Travel in Indiens Großstadt Mumbai und das "Mitan Responsible Tourism Project" der Reiseagentur Silk Road Destinations in Usbekistan wurden mit dem TO DO! 2014 ausgezeichnet.

Partizipation und Nachhaltigkeit
Die mit dem TO DO! 2014 ausgezeichneten Tourismus-Projekte verfolgen ähnliche Ziele: die Verbesserung der Lebenssituation der lokalen Bevölkerung durch behutsame und planvolle Entwicklung von touristischen Angeboten, Schaffung alternativer Einkommensquellen und Stärkung des Selbstbewusstseins für die eigene Kultur und Tradition. Wichtigstes Kriterium für die Preisvergabe ist die Partizipation der einheimischen Bevölkerung bei Planung und Umsetzung touristischer Projekte. Auf diese Weise entsteht eine besondere Verbindung von Partizipation, Sozialverantwortlichkeit und Nachhaltigkeit.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Hans-Joachim Fuchtel, hielt die diesjährige Laudatio auf die drei Preisträger.

Costa Rica ACTUAR, die costa-ricanische Vereinigung für ländlichen Gemeindetourismus, wurde 2001 als Non-Profit-Organisation auf Initiative von indigenen Gruppen, kleinbäuerlichen Organisationen und Frauenvereinigungen gegründet. Ziel war und ist, lokale Entwicklungsbestrebungen in ländlichen Gebieten über die Vermarktung und Qualifizierung von alternativen Tourismusprojekten zu unterstützen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die zentrale Geschäftsstelle in San José gegründet, die auf zwei Ebenen arbeitet. Zum einen wird ländliche Entwicklung gefördert und kulturelle Identität gestärkt. Dies geschieht durch Beratung beim Aufbau und der Durchführung nachhaltiger Tourismusprojekte sowie durch regelmäßige Fortbildungen. Zum anderen werden die Produkte und Dienstleistungen über eine eigens gegründete Reise- und Incoming-Agentur vermarktet. Die Mitglieder von ACTUAR wurden durch das United Nations Development Programme beim Aufbau der touristischen Infrastruktur unterstützt.

Heute ist ACTUAR ein Netzwerk aus 34 im ganzen Land verteilten Gemeinden, deren touristische Projekte sich in den ländlichen Alltag einfügen und von der lokalen Bevölkerung organisiert und durchgeführt werden. Für die Bewohner werden alternative Einkommensquellen und neue Perspektiven geschaffen, Landbesitz wird gesichert und die natürlichen Ressourcen erhalten und geschützt. Der Reisende erlebt beim Besuch der bäuerlich geprägten oder indigenen Gemeinden ein authentisches Costa Rica mit seiner Kultur und Tradition und tritt in direkten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. www.actuarcostarica.com

Indien
Reality Tours & Travel (RTT) organisiert Touren in die unterprivilegierten Stadtteile Mumbais - die sogenannten Slums -, bei deren Entwicklung und Durchführung die Bevölkerung eng eingebunden ist und ein wesentlicher Teil der Einnahmen den Slumbewohnern direkt zugutekommt, u. a. für deren berufliche Fortbildung. RTT wurde 2005 von dem Briten Chris Way und dem Inder Krishna Pujari gegründet. In Mumbai begannen die beiden zunächst, den Bewohnern des Dharavi-Slums ihr Konzept nahe zu bringen. Nach längeren Diskussionen über Chancen und Hindernisse von Slum-Tourismus wurden die ersten Touren durchgeführt.

Durch qualifizierte lokale, von RTT entsprechend ausgebildete Reiseleiter wird versucht, den Touristen ein realistisches Bild von den Zuständen und Lebensbedingungen in einem Slum zu vermitteln. Durch persönliche Erlebnisse und Begegnungen erhalten sie Eindrücke vom Alltagsleben. Auf der anderen Seite profitieren auch die Slumbewohner von den Touren, nicht nur finanziell. Durch das Interesse der Touristen an deren Arbeitsalltag und Lebensumfeld wird ihr Selbstvertrauen positiv beeinflusst. 2009 wurde zusätzlich die Schwesterorganisation Reality Gives gegründet, um dem Wunsch der Bewohner Dharavis nach Gesundheits- und Hygiene-, aber auch Englisch- und Computerunterricht gerecht zu werden, da ohne diese Kenntnisse ein Aufstieg in der indischen Gesellschaft nur schwer möglich ist. 80 Prozent des Gewinns von RTT wird in die lokalen Entwicklungsprojekte von Reality Gives investiert. www.realitytoursandtravel.com

Usbekistan
In dem abgelegenen, usbekischen Dorf Mitan hat die Reiseagentur Silk Road Destinations - C.A.T.I.A. das gemeindebasierte Projekt "Mitan Responsible Tourism Project" auf die Beine gestellt. Die Gäste können dabei in direkten Kontakt mit den lokalen Familien und ihrer muslimisch geprägten Kultur und Tradition treten. Ziel ist, für die Dorfbewohner zusätzliches Einkommen zu generieren sowie zu kulturellem Austausch und zur Verständigung zwischen Menschen mit unterschiedlichem sozialen und religiösen Background beizutragen. Das Projekt belastet den gewöhnlichen Alltag der Dorfbewohner mit seinen ökonomisch wichtigen Abläufen nicht, bietet ihnen jedoch Gelegenheit, den eigenen Wissensstand durch interkulturellen Austausch zu erweitern. In diesem Zusammenhang wird insbesondere auch Wert auf die Einbindung von Jugendlichen gelegt.

Mitan ist ein kleines Dorf in der usbekischen Steppe und kann mit touristischen Attraktionen nicht aufwarten. Doch es bietet Reisenden die Möglichkeit, mit der lokalen Bevölkerung in direkten Kontakt zu treten. Dazu trägt die herzliche Gastfreundschaft der Einheimischen bei, ihre Offenheit und Bereitschaft, Fremde für kurze Zeit authentisch an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Die Gäste erhalten die Gelegenheit, sich mit den landestypischen Realitäten auseinanderzusetzen. Silk Road Destinations und den Bewohnern Mitans ist es gelungen, ein partizipativ ausgerichtetes Tourismusprojekt in Gang zu setzen, an dem heute viele Dorfbewohner Anteil haben. www.silkroaddestinations.com

Für die Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus (SST), Fördermitglied und Preisgeldgeberin des TO DO!-Wettbewerbes, erklärte Hansjörg Ruf, Präsident des Stiftungsrates, in seiner Ansprache: "Bei den diesjährigen TO-DO!-Preisträgern kommt das Anliegen unserer Stiftung besonders deutlich zur Geltung: Solidarität im Tourismus, Würde und soziales Miteinander, verbunden mit einer nachhaltigen Zukunftsplanung. Mit dem Preisgeld für die TO DO!-Gewinner möchten wir deshalb auch dieses Jahr wieder unsere Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit zum Ausdruck bringen."

Dr. Dietlind von Laßberg, Stellvertretende Vorsitzende des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung e.V., sagte anlässlich der Preisverleihungsveranstaltung am 4. März: "Die diesjährigen Preisträgerprojekte beeindrucken mich nicht nur durch ihren mutigen und kreativen Einsatz für einen sozialverantwortlichen, partizipativen und nachhaltigen Tourismus. Besonders erfreulich ist, dass die Steigerung des Selbstwertgefühls der beteiligten einheimischen Bevölkerung im Mittelpunkt der Projektaktivitäten steht."

Alle drei TO DO!-Preisträger sind gelungene Beispiele für den nachhaltigen Erfolg sozialverantwortlicher Konzepte, insbesondere durch die intensive Beteiligung der einheimischen Bevölkerung bei der Tourismusentwicklung. Damit können sie Best-Practice-Beispiele für andere Tourismusregionen darstellen. Die drei Preisträger erhielten jeweils eine TO DO!-Trophäe. Die Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus unterstützt die ausgezeichneten Projekte zusätzlich mit je 5.000 Schweizer Franken, die die Weiterentwicklung der Vorhaben befördern sollen.

Der TO DO!-Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus wird gefördert von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie von: Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst / Tourism Watch, forum anders reisen, ITB Berlin, Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus (SST) und Studiosus Reisen München GmbH.



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Verantwortlich für den Text: Beate Bittner