Presse-Information
 


Seefeld, 17. August 2011
Nr. 7/2011


All-inclusive-Reisen - Erfolgsstory fortgesetzt

Seit Mitte der 90er Jahre sind All-inclusive-Reisen immer beliebter geworden. Schon Anfang 2002 hatten 22% der Deutschen ab 14 Jahre persönliche Erfahrung mit dieser Urlaubsform gemacht. Im Januar 2011 waren es bereits 40%. Damit hat sich der Anteil All-inclusive-erfahrener Menschen in Deutschland innerhalb von neun Jahren fast verdoppelt. Mehr als verdoppelt (von 8% auf 20%) hat sich der Anteil jener, die schon zwei und mehr All-inclusive-Reisen unternommen haben. Das hat der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. im Rahmen einer Auftragsforschung über Image und Volumen von All-inclusive-Reisen im deutschen Urlaubsreisemarkt ermittelt - durch erneute Schaltung identischer Exklusivfragen im Rahmen der Reiseanalyse 2011, F.U.R (Basis 7.694 persönliche Interviews).

Vor allem junge Leute sowie 50 Jahre und ältere Personen (besonders unverheiratete Senioren), Familien mit Kindern, Menschen, die eher den mittleren sozialen Statusgruppen angehören oder ihren Wohnsitz in Ostdeutschland haben, zeigen seit 2002 überdurchschnittliche Zuwächse bei der Erfahrung mit All-inclusive-Reisen.

Das Image dieser Urlaubsform - bei der über die Unterkunft und Vollpension hinaus noch weitere Leistungen im Preis eingeschlossen sind (z.B. Getränke aller Art, Sportangebote, Unterhaltungs-Showprogramme, Animation etc.) - hat sich deutlich verbessert. Inzwischen meinen 76%, man bekomme etwas geboten für's Geld - das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt (2002 waren es 68%). 71% schätzen, dass schon alles organisiert ist und man sich um nichts mehr kümmern muss (2002: 61%). Die Meinung, dass All-inclusive-Anlagen mit Einschränkungen der persönlichen Freiheit verbunden seien, findet mit 28% signifikant weniger Zustimmung als noch vor neun Jahren (40%) - auch bei jenen, die persönliche Erfahrungen mit dieser Urlaubsform gemacht haben: Sie teilen diese Auffassung nur noch zu 16% (2002: 26%).

Besonders geschätzt wird, dass man bei einer All-inclusive-Reise vorher genau weiß, was der Urlaub kostet (Budgetsicherheit): In der Bevölkerung sehen das inzwischen 76% - bei den All-inclusive-Erfahrenen sogar 89%. Auch die große Angebotsvielfalt im Bereich Sport, Unterhaltung, Animation und Restaurant-Auswahl zählt heute bei 61% zu den wichtigsten Merkmalen dieser Urlaubsform (2002: 55%). Dass man Leistungen mitbezahlen muss, die man im Urlaub gar nicht in Anspruch nimmt, sehen 43% - deutlich weniger als 2002 (54%). Gut zwei Drittel (68%) finden, dass es in einer All-inclusive-Anlage leicht möglich sei, mit anderen Miturlaubern in Kontakt zu kommen, sofern man das möchte (2002: 62%). Nahezu unverändert vertritt etwa die Hälfte der Deutschen (52%) die Auffassung, dass man sich in einer All-inclusive-Anlage besonders sicher fühlen kann (2002: 50%).

Zur Verbesserung des All-inclusive-Images dürfte vor allem die gestiegene All-inclusive-Erfahrung beigetragen haben: So zeigt sich, dass mit deren Häufigkeit und Aktualität die Einschätzungen positiver werden - bis hin zu den extrem positiven Meinungen der 15,8 Mio. "All-inclusive-Fans", die inzwischen 57% der All-inclusive-Erfahrenen ausmachen.

Am wenigsten verändert hat sich das All-inclusive-Image bei jenen, die bisher keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Reiseform machen konnten - aber auch bei Angehörigen der obersten sozialen Statusgruppe, obwohl sie nach wie vor überdurchschnittlich All-inclusive-Reisen machen. Bei ihnen sowie bei Personen mit hoher formaler Bildung bzw. hohem Haushaltsnettoeinkommen zeigt sich ein zurückhaltend positives bis skeptisches All-inclusive-Image - z.B. wenn es um die Meinung geht, im Rahmen von All-inclusive-Reisen könne man bei den angebotenen Ausflugsprogrammen Land und Leute gut kennenlernen. Negative Image-Aspekte werden hier vergleichsweise stärker gesehen. Das gilt sowohl für die Dimension "Einschränkung der persönlichen Freiheit/Ghetto-Situation" als auch für die Meinung, All-inclusive-Anlagen seien zu groß und unpersönlich (ca. 40% Zustimmung).

Gut die Hälfte der Bevölkerung teilt nach wie vor die Auffassung, dass einheimische Lokale, Restaurants und Geschäfte außerhalb von All-inclusive-Anlagen nichts verdienen, da man als Urlauber solche Angebote innerhalb der Anlagen vorfindet und nutzt (2002: 53% - 2011: 52%). Das meinen im Übrigen auch 47% der All-inclusive-Erfahrenen - unter ihnen am stärksten (83%) jene, die dem Typ "All-inclusive-distanzierter Individualist" angehören (5,1 Mio.).

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung hatte bereits 2003 den All-inclusive-Anbietern nahegelegt, das negative Image von der unzureichenden ökonomischen Partizipation außenstehender, einheimischer Dienstleister ernst zu nehmen. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass All-inclusive-Anlagen die Wertschöpfungskette vor Ort stärker auf sich konzentrieren (und kontrollieren), wenn sie mehr Leistungen anbieten als z.B. bei einer normalen Pauschalreise. "Auch 2011 gilt", so Studienkreisvorstand Armin Vielhaber, "dass man nicht alle Anlagen über einen Kamm scheren kann. Manche stehen auf der ‚Grünen Wiese' weitab von gewachsenen Strukturen, manche in deren unmittelbarer Nähe. Man muss bereits in der Planungsphase vernünftige und faire Lösungen finden. Positive Beispiele und Engagement für partizipatorische, nachhaltige Konzepte und Maßnahmen sollten belegt und öffentlich kommuniziert werden." Dies gelte nicht zuletzt für Entwicklungs- bzw. Schwellenländer Nordafrikas sowie für die Türkei, wo der All-inclusive-Sektor das touristische Angebot zunehmend dominiert. So haben 2010 bereits 86% der deutschen Urlauber in der Region Antalya All-inclusive-Urlaub gemacht. Bei ihnen ist das Image zu dieser Urlaubsform ausgesprochen positiv. Aber auch sie sehen knapp zur Hälfte (49%) eine eingeschränkte ökonomische Partizipation außerhalb von All-inclusive-Anlagen.

Wie geht's weiter mit All-inclusive im deutschen Urlaubsreisemarkt? Im Januar 2011 stagniert das Interesse an dieser Urlaubsform auf hohem Niveau: 50% (35,1 Mio.) der Deutschen können sich vorstellen, im Zeitraum 2011-2013 All-inclusive-Reisen zu machen. Bei einer statistischen Realisierungsquote des All-inclusive-Potenzials von 55% wären das 19,3 Mio. All-inclusive-Reisende - also etwa soviel, wie im Zeitraum 2008-2010 All-inclusive-Reisen gemacht haben (19,1 Mio.). "Ob das Ende der Fahnenstange in Sicht ist, bleibt abzuwarten", meint Astrid Kösterke, Autorin der Studienkreis-Untersuchung: "Es wird u.a. davon abhängen, inwieweit sich - gleichbleibende Rahmenbedingungen vorausgesetzt - aus dem Kreis der bisher All-inclusive-unerfahrenen Personen (42 Mio.) weiteres Interesse generieren lässt. In diesem Segment kann sich derzeit zwar ein Drittel vorstellen, im Zeitraum 2011-2013 eine All-inclusive-Reise zu machen - aber nur 4% sind sich diesbezüglich ‚ziemlich sicher'."

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Verantwortlich für den Text: Dietlind von Laßberg