Presse-Information
 


Ammerland, 10. März 2006
Nr. 03/2005
121 Zeilen à 60 Anschläge



TO DO! - Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus:
Gewinner kommen aus Peru und Südafrika.
Preisgelder von der "Schweizerischen Stiftung für Solidarität im Tourismus" und der "Europäischen Reiseversicherung".


Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V., Ammerland, hat heute die Preisträger des internationalen Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus bekannt gegeben. Der TO DO! 2005 wurde im Rahmen der 40. Internationalen Tourismusbörse in Berlin verliehen: an einen erfolgreichen Bewerber aus Peru und zwei aus Südafrika. Die Laudatio hielt Bundesministerin a.D. Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin.
Zu den TO DO! 2005-Gewinnern zählen: Die Urwald-Lodge POSADA AMAZONAS aus der peruanischen Regenwaldprovinz Madre de Dios, ferner das südafrikanische Regionalentwicklungsprojekt KUVONA CULTURAL TOURS aus der Provinz Limpopo sowie die in der Hauptstadt Pretoria angesiedelte Zertifizierungsorganisation FAIR TRADE IN TOURISM SOUTH AFRICA (FTTSA). Alle drei Bewerber konnten der gutachterlichen Überprüfung an Ort und Stelle standhalten.
Zu den Besonderheiten dieser elften Wettbewerbsrunde zähle, so der Studienkreisvorsitzende Armin Vielhaber, "dass wir aus Peru nun bereits zum zweiten Mal ein Gewinnerprojekt auszeichnen können". Ein absolutes Novum sei, "dass aus einem Land - in diesem Fall Südafrika -, gleich zwei Projekte mit dem TO DO! prämiert werden". Darüber hinaus, so Vielhaber, zeige sich am Beispiel der diesjährigen Preisträger besonders deutlich, "wie sich der klassische Fair-Trade-Gedanke - das sozialverantwortliche Handeln also - "auch im Tourismus verwirklichen und etablieren lässt."

Im Zentrum der Wettbewerbskriterien des TO DO! für einen sozialverantwortlichen Tourismus stehen u.a. die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen der ortsansässigen Bevölkerung bei Planung und Durchführung von Tourismusprojekten. Sie soll durch aktive Partizipation der Einheimischen erfolgen. Dabei müssen für alle Beteiligten die Chancen und Risiken solcher Vorhaben transparent werden, ebenso das Ausmaß und die Streuung des wirtschaftlichen Nutzens. Zu den Kriterien des Wettbewerbs zählen ferner: die Gewährleistung der Attraktivität touristischer Arbeitsplätze sowie Vorsorgemaßnahmen zur Erhaltung und Stärkung der einheimischen Kultur.



Wie dieses sozialverantwortliche Handeln in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigt der peruanische Preisträger POSADA AMAZONAS. Mit dieser Urwald-Lodge am Rio Tampopata (im Zuflussgebiet des Amazonas) wurde nicht nur in Zusammenarbeit mit der indigenen Gemeinde von Infierno ein stimmiges Ökotourismuskonzept realisiert, vielmehr hat man es verstanden, die unternehmerischen Interessen des in Lima angesiedelten Reiseveranstalters Rainforest Expeditions mit den Erfordernissen der indigenen Einheimischen zu verbinden. Die POSADA AMAZONAS wurde gemeinsam aufgebaut, die indigene Gemeinde wurde von Beginn an am Besitz und am Gewinn beteiligt, und Rainforest Expeditions hat außerdem die Ausbildung und Schulung der einheimischen Beschäftigten übernommen und ihnen verantwortungsvolle Arbeitsplätze übertragen. So ist zum Nutzen aller Beteiligten ein vorbildlich partizipatives Tourismusmodell entstanden, das außerdem dazu beiträgt, einen ökologisch, kulturell und sozial bedrohten Lebensraum zu erhalten.

Adresse:

Posada Amazonas
Rainforest Expeditions
Ave Aramburu 166, 2B
Miraflores 28
Lima, Peru
Tel: 00511-4218347
Fax: 00511-4218183
E-Mail: kholle@rainforest.com
Web: www.perunature.com



KUVONA CULTURAL TOURS ist im juristischen Sinne zwar wie eine Incoming Agentur zu sehen, in der Praxis aber ein touristisches Regionalentwicklungsprojekt. "Kuvona" heißt in der lokalen Sprache "Sehen" oder "Verstehen". KUVONA CULTURAL TOURS strebt an, Touristen in den Norden der südafrikanischen Limpopo-Provinz zu bringen, ihnen über behutsam gestaltete Begegnungsprogramme die Kultur und Lebensweise der Venda- und Shangaan-Stämme näher zu bringen und einen "sanften" Tourismus in Partnerschaft mit lokalen Gemeinschaften anzubieten. Daneben aber ist man mit Reisegruppen auch im angrenzenden Simbabwe, Botswana und Namibia unterwegs. Ziel ist es, durch Tourismus möglichst viele und breit angelegte Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen (zum Beispiel für Künstler, Handwerker oder Reiseleiter). Die Aktivitäten erfolgen überwiegend in Zusammenarbeit mit dem Schwesterunternehmen Shiluvari Lakeside Lodge, der regionalen Ribolla Tourism Association und mit Reiseveranstaltern wie SKR Studien Kontakt Reisen in Bonn.

Adresse in Südafrika:

Kuvona Cultural Tours
Abel Baloyi / Angelika Girardin
P. O. Box 56
Louis Trichardt 0920
North. Prov., South Africa
Tel.: +27-15-556 35
Fax: +27-15-556 35 12
E-Mail: kuvona@mweb.co.za
Web: www.kuvona.com

Adresse in Deutschland:

SKR Studien Kontakt Reisen
Frau Luise Müller
Kurfürstenallee 5
53177 Bonn
Tel.: +49-228-93573-0
Fax.: +49-228-93573-50
E-Mail: info@skr.de



Mit einem erstmalig vergebenen TO DO!-Special Award wird die in Pretoria ansässige Zertifizierungsorganisation FAIR TRADE IN TOURISM SOUTH AFRICA (FTTSA) ausgezeichnet. Im Vergleich zu vielen touristischen Zertifizierungs-Organisationen unterscheiden sich Ziele und Arbeitsweisen von FTTSA erheblich. Denn, das FTTSA-Siegel (im Rang einer "Trademark") ist kein Öko-Label. FTTSA ist auf die sozialen, kulturellen und ökonomischen Aspekte der Tourismusentwicklung fokussiert. Wie beim TO DO!-Wettbewerb steht auch hier die Überlegung im Vordergrund, wie man durch eine partizipative Tourismusentwicklung Armut überwinden, die kulturelle Identität fördern, stärken und bewahren und möglichst viele soziale Aspekte integrieren kann (die Schlüssel-Fragen in der Post-Apartheid-Ära von Südafrika).

Adresse:

Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA)
Hatfield Forum West
1067 Arcadia Street, PO Box 11536
Hatfield, Pretoria 0028
South Africa
Tel. +27-012-342 8307/8
Fax: +27-012-342 8289
E-Mail: info@fairtourismsa.org.za
Web: www.fairtourismsa.org.za



Ausschlaggebend für die Preisverleihung waren die Effekte, die durch die Arbeit von FTTSA eintreten: Urlaubsgäste aus dem Ausland können anhand der mit einem FTTSA-Siegel ausgezeichneten Unternehmen sofort erkennen, dass sie es bei ihrer Südafrika-Reise mit einem touristischen Betrieb des "neuen Südafrika" zu tun haben. Der zertifizierte Betrieb setzt sich dafür ein, dass das südafrikanische "Black Economic Empowerment"-Program verwirklicht werden kann. Dieses gesetzesähnliche Vorhaben will in nahezu allen Branchen einen sozio-ökonomischen Prozess anstoßen, der über mehrere Etappen bis 2014 dafür sorgen soll, dass die farbige Bevölkerung an der ökonomischen Entwicklung beteiligt wird, sie mitbestimmt, mitkontrolliert und, dass die Ungleichheiten beim Einkommen von Beschäftigten allmählich abgebaut werden. Vor diesem Hintergrund bewegt sich FAIR TRADE IN TOURISM SOUTH AFRICA in einem Rahmen, der den Versöhnungsprozess im neuen Südafrika begleiten und mitgestalten will - als ein wichtiger Baustein von vielen. Ziel ist es, die alten Strukturen im Tourismus, ohne sie zu verurteilen, so umzuformen, dass daraus eine Dynamik entsteht, die für eine faire und sozialverantwortlich gestaltete Gesellschaft gebraucht wird.
Solche politischen bzw. regionalpolitischen Entwicklungen zu unterstützen und zu fördern, sei für die "Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus" (SST) erneut der Anlass gewesen, ein Preisgeld in Höhe von 5000 Schweizer Franken pro Preisträger zur Verfügung zu stellen, sagte der Vizepräsident der Basler Stiftung, Hans Ulrich Schudel, während der Preisverleihung in Berlin. Das Vorgehen der mit dem TO DO! ausgezeichneten Projekte decke sich "nahtlos mit unseren Stiftungszielen" betonte Schudel. Die "Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus" unterstütze "Organisationen, Projekte und Initiativen, die eine nachhaltige Tourismusentwicklung fördern", weil sie dazu beitragen könnten, so Schudel, "die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in touristischen Zielgebieten zu erhalten, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern und die Umwelt zu schützen."
Seit 2004 unterstützt auch die "Europäische Reiseversicherung AG" die TODO!-Preisträger und stellt einen Geldpreis von insgesamt 2100 Euro zur Verfügung. Helmut Held, Vorstand Vertrieb und Marketing der "Europäischen" sagte während der Preisverleihung: "Jedes Jahr zeigen die TO DO!-Gewinner - und das gilt für die Preisträger 2005 aus Peru und Südafrika ganz besonders - dass eine Einbeziehung der Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung bei ihren Projekten möglich ist." Zudem seien die ausgezeichneten Projekte immer auch mit den Prinzipien der Umweltverträglichkeit vereinbar, betonte Held und gab zu bedenken, was es wohl nütze, als Versicherer "den Menschen bei Krankheit und Unfall auf Auslandreisen beizustehen, wenn das Reisen selbst durch Schädigung von Natur und Umwelt immer weniger attraktiv würde." Der Einsatz für einen nachhaltigen Tourismus werde von der "Europäischen" gelebt, das ganze Unternehmen stehe dahinter, betonte Helmut Held bei seinen Glückwünschen für die TODO!-Preisträger 2005.
Erfreulich sei ferner, so Studienkreis-Geschäftsführerin Dr. Dietlind von Laßberg, dass für den TO DO!-Wettbewerb neue Förderer gewonnen werden konnten: Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Wiener Reiseveranstalter "VASCO - Die gute Reise" sind 2005 dem Förderkreis beigetreten. Damit unterstützt erstmals auch ein Unternehmen aus der Reiseindustrie den TO DO!-Wettbewerb finanziell, um die Qualifizierung touristischer Entwicklung auf der Angebotsseite zu fördern.

Der TO DO!-Wettbewerb wird veranstaltet vom:

Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.

in Zusammenarbeit mit den langjährigen Förderern:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Bundesministerium für Naturschutz, Umwelt und Reaktorsicherheit
Ecumenical Coalition on Tourism
Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) e.V. - Tourism Watch
Europäische Reiseversicherung AG
Katholisches Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Messe Berlin GmbH
VASCO - Die gute Reise

Der TO DO!-Wettbewerb wird Ende April 2006 erneut ausgeschrieben und wiederum von staatlicher und kirchlicher Seite sowie von Unternehmen aus dem Tourismusbereich unterstützt.

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Verantwortlich für den Text : Klaus Betz