Presse-Information
 


Ammerland, 19. Juli 2005
Nr. 08/2005
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Islamisch geprägte Reiseländer bei jungen Leuten gefragt
Doch ihr Interesse an Land und Leuten wird von Reiseveranstaltern und Tourismusverantwortlichen zu wenig genutzt


Zu den Top-Urlaubszielen der jugendlichen Reisenden zählen seit Jahren Deutschland und Spanien. Doch die islamisch geprägten Ferienländer sind für viele junge Menschen ebenfalls attraktiv. Während 2004 jeweils 1,5 Millionen Jugendliche ihre Haupturlaubsreise im heimischen Deutschland und in Spanien verbracht haben, waren gleichzeitig 876.000 junge Deutsche zwischen 14 und 26 Jahren in einem der großen, islamisch geprägten Mittelmeerländer unterwegs. Diese in der Reiseanalyse 2005 ermittelten Zahlen waren für den Studienkreis für Tourismus und Entwicklung der Anlass, weitergehende Untersuchungen durchzuführen.

Der weitaus größte Teil der Jugendlichen reiste in die Türkei (657.000), weitere 219.000 junge Urlauber besuchten Ägypten, Tunesien oder Marokko. Davon waren jeweils gut zwei Fünftel unter 20 Jahre alt. 70 Prozent hatten eine Pauschalreise in einem Reisebüro gebucht, 63 Prozent einen Strand-, Bade- oder Ausruhurlaub. Das aktuelle Interesse der jungen Leute an diesen Ländern ist beachtlich: 37 Prozent unter den 14-19-Jährigen und 44 Prozent der 20-26-Jährigen können sich für den Zeitraum 2005-2007 Urlaubsreisen dorthin vorstellen (hochgerechnet etwa vier Millionen).

Unter den befragten Jugendlichen möchten 52 Prozent schon vor ihrem Reiseantritt möglichst ausführlich über Land und Leute, Sitten und Gebräuche informiert werden. Knapp zwei Fünftel der 14-26-Jährigen meinen, dass man solche Länder ohnehin nur richtig kennen lernen kann, wenn man die Möglichkeit hat, auch mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Ein Drittel sind interessiert an Begegnungen abseits der touristischen Zentren - auch mit Menschen, die etwa den gleichen Beruf oder das gleiche Hobby ausüben wie man selbst.

"In einer globalisierten und durch Terrorismus verunsicherten Welt wird es auch im Tourismus vermehrt darauf ankommen", ist Studienkreis-vorstand Armin Vielhaber überzeugt, "bei den Menschen eine differenzierte Urteilsfähigkeit über andere Länder, Kulturen und über deren politisch-gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu fördern." Für einen besseren Durchblick bedürfe es jedoch bestimmter Voraussetzungen, so Vielhaber weiter, denn die "Neugier auf das Fremde und der Wunsch nach persönlich spannenden Erlebnissen" könne nur befriedigt werden, "wenn Reiseveranstalter und Tourismusverantwortliche vor Ort innovative Konzepte und Programme anbieten."

Deshalb empfiehlt der Studienkreis islamisch geprägten Zielländern sowie hiesigen Reiseveranstaltern - vor allem jenen, die Badereisen in diese Länder anbieten -, "auf das Interesse der jungen Leute einzugehen", meint Studienkreis-Geschäftsführerin Dietlind von Laßberg. Etwa dadurch, "dass jungen Menschen authentische Begegnungsmöglichkeiten geboten werden, die sie der Alltagsrealität dieser Länder näher bringen." Es sei ja interessant, so von Laßberg, "dass selbst unter jenen, die im Urlaub Spaß und Action möchten, ein Drittel gleichzeitig Interesse am Blick hinter die touristische Kulisse" habe. Diese Chance sollte aktiv genutzt werden. ______________________________________

Verantwortlich für den Text : Klaus Betz