Presse-Information
 


Ammerland, 12. April 2005
Nr. 06/2005
49 Zeilen à 60 Anschläge



Tempo, die Parole heißt "Zukunft"
SympathieMagazin "Polen verstehen"


Eigentlich wollte er Opernsänger werden, damals in Danzig, in den achtziger Jahren. Doch dann, so schreibt Wojciech Kaszubowski im neuen SympathieMagazin "Polen verstehen", "wurde ich Manager des Opern-Ensembles und anschließend Manager einer Kosmetikfirma. Inzwischen habe ich einen Copy-Shop". Ungewöhnlich? Nicht im Polen von heute. Und erst recht nicht im quirligen Danzig.
Den wahren Drive gibt's allerdings nur in Warschau, glaubt jedenfalls Jerzy Tepli. Deshalb beschreibt er sein Ankommen in Warschau so, als gäbe es hier nur den Vorwärtsgang: Wer "die Stadt mit fliegenden Reifen erreicht, ist plötzlich im Pulk. (...) Erst nach Kilometern wandeln sich die Zielgeraden zu Boulevards. Auf breiten Bürgersteigen eilende Passantenströme, das ist das Warschauer Tempo. Diese Stadt ist immer unterwegs."
Wer einen "Polski Blues" erwartet, wird im SympathieMagazin nicht fündig. Fast alle polnischen Autoren und Autorinnen vermitteln das Bild einer Gesellschaft, die den permanenten Wandel zum Prinzip erklärt hat - aufgehoben zwischen Pragmatismus und Visionen, zwischen Liebeserklärung und Überlebenskampf, zwischen Aufbruch und Bodenständigkeit. Da bleibt keine Zeit für ein melancholisches Lamento. Im Gegenteil. Tempo ist angesagt, die Parole heißt "Zukunft".
Polen ist also "ganz anders als gedacht", meint auch der junge Felix Guntermann, der in einem Beitrag über seinen ersten unverhofften Polentrip (nach einer "Blind booking"-Aktion bei einem deutschen Billig-Flieger) nur noch staunen kann: über Szene-Klubs und junge Leute in trendigen Klamotten. Ähnlich dürfte es jenen rund 150.000 Jugendlichen gehen, die alljährlich mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk unterwegs sind und unser Nachbarland kennen lernen und entdecken. Von den Schlesischen Beskiden bis zur Masurischen Seenplatte, von Krakau bis zu den Badestränden an der Ostsee.
Und doch ist Polen gleichzeitig auch noch das Land von Marek Popis. Allerdings ist er möglicherweise der "letzte Bauer auf unserem alten Hof" und vollauf damit beschäftigt, seinen 250 Hektar großen Landwirtschaftsbetrieb, will er konkurrenzfähig bleiben, ganz nach den Ertragskriterien der EU auszurichten. Aber eigentlich würde er viel lieber noch mehr von seinen schnell wachsenden Birken anbauen, weil sie "für die Herstellung lärmdämmender Matten für Autobahnen oder in der Methanolerzeugung einsetzbar sind". Leider will die Bürokratie "diese Art Anbau partout nicht als landwirtschaftliche Betätigung einstufen".
Die einzige Konstante im umtriebigen und sich wandelnden Polen bilden offenbar die seit 1711 stattfindenden Pilgerreisen nach Tschenstochau, zum Heiligen Berg Jasna Góra. Nichts kann die alljährlich zu Tausenden und aus ganz Polen herbeiströmenden Gläubigen davon abhalten. Auch der gerade mal 19-jährige Michal Kozak macht sich auf diesen Weg und schreibt von einer "unterwegs geborenen Frömmigkeit", die lange angehalten habe. Ausgelöst von einer noch "unscharfen Sehnsucht nach einer anderen Lebensform". In der Zukunft. Wo denn sonst?



"Polen verstehen" wurde redaktionell betreut von Brigitte und Reinhard Nenzel.

Das Einzelexemplar kann für Euro 3,60 per Lastschrift (www.sympathiemagazin.de) oder gegen Voreinsendung eines Verrechnungsschecks beim Studienkreis für Tourismus und Entwicklung (D-82541 Ammerland, Kapellenweg 3) bezogen werden. Ab 50 Exemplare gelten Stückpreise zwischen Euro 1,55 und 1,45 (zzgl. Versandkosten und MwSt.).

"Polen verstehen" wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)/ Tourism Watch und vom Katholischen Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz.
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Verantwortlich für den Text : Klaus Betz