Presse-Information
 


Ammerland, 13. März 2005
Nr. 05/2005
138 Zeilen à 60 Anschläge



10 Jahre TO DO! - Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus:

Gewinner kommen aus Costa Rica, Nicaragua und Zanzibar.
Preisgelder von der "Schweizerischen Stiftung für Solidarität im Tourismus" und der "Europäischen Reiseversicherung".


Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V., Ammerland, hat heute die Preisträger des internationalen Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus bekannt gegeben. Der TO DO!2004 wurde zum zehnten Mal seit 1995 im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin vergeben; an drei erfolgreiche Bewerber aus Costa Rica, Nicaragua und Zanzibar/Tanania. Zu den TO DO! 2004-Gewinnern zählen: PROJETKTOURISMUS FINCA SONADOR, aus San Isidro, Costa Rica; ferner das US-Nicaraguanische Gemeinschaftsprojekt FINCA ESPERANZA VERDE aus San Ramón, Nicaragua, und das Tourismus- und Umweltschutzprojekt CUMBE ISLAND CORAL PARK LTD. aus Zanzibar, Tanzania. Alle drei Bewerber konnten der gutachterlichen Überprüfung an Ort und Stelle standhalten.
Zu den Besonderheiten der zehnten Wettbewerbsrunde zähle u.a., so der Studienkreisvorsitzende Armin Vielhaber, dass zum ersten Mal aus einer Einzeldestination - in diesem Fall Tanzania -, "bereits ein zweites Projekt die TO DO!-Trophäe" erhielt. Dies, sagte Vielhaber, sei "ein gutes Signal aus einem Kontinent, der unserer Aufmerksamkeit und Solidarität in besonderem Maße bedarf." Als auffälliges Merkmal der TO DO!-Gewinner aus Costa Rica und Nicaragua sei außerdem hervorzuheben, so Vielhaber, dass beide Preisträger in ihrer Konzeption, neben der Erfüllung der TO DO!-Kriterien, von vornherein auf Begegnung angelegt seien - "unter besonderer Berücksichtigung von jungen Leuten". Wenn ein Drittel der 14- bis 29-jährigen Deutschen sich bei Urlaubsreisen in Entwicklungsländer für persönliche Begegnung mit Einheimischen abseits der touristischen Zentren interessiere (das sind rund 4,6 Mio. junge Menschen), "dann sollten wir uns über jedes begegnungsorientierte und zugleich auch sozialverantwortlich organisierte Tourismusprojekt in der so genannten Dritten Welt freuen". "Zumal" - so Studienkreis-Geschäftsführerin Dietlind von Laßberg - "rund 80 Prozent aller TO DO-Preisträgerprojekte aus Entwicklungsländern kommen."
Solche Initiativen zu unterstützen und zu fördern, sei für die "Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus" (SST) der Anlass gewesen, ein Preisgeld in Höhe von 5000 Schweizer Franken pro Preisträger zur Verfügung zu stellen, sagte der Vizepräsident der Basler Stiftung, Hans Ulrich Schudel, während der Preisverleihung in Berlin. Das Vorgehen der mit dem TO DO! ausgezeichneten Projekte decke sich "nahtlos mit unseren Stiftungszielen" betonte Schudel. Die "Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus" unterstütze "Organisationen, Projekte und Initiativen, die eine nachhaltige Tourismusentwicklung fördern", weil sie dazu beitragen könnten, so Schudel, "die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in touristischen Zielgebieten zu erhalten, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern und die Umwelt zu schützen." Solche Ziele könne die Europäische Reiseversicherung "voll unterschreiben", sagte deren Vorstand Vertrieb und Marketing Helmut Held. Deshalb belohne die Europäische Reiseversicherung die Aktivitäten der drei Preisträger mit insgesamt weiteren 2100 Euro Preisgeld. "Der Schutz von Mensch und Umwelt ergänzt für uns das Thema Schutz auf Reisen", meinte Helmut Held.
Mit diesem Wettbewerb erinnere der Studienkreis daran, sagte Staatsekretärin Uschi Eid in ihrer Laudatio auf die Preisträger, "dass für den Erfolg eines Entwicklungsprojekts ganz entscheidend ist, dass die Menschen vor Ort sich auf dem Fahrersitz befinden. Es ist ihre Eigenverantwortung und "ownership", die über Wohl und Wehe von Entwicklungsprozessen entscheiden. Und was für Entwicklungsprojekte gilt, kann für die Tourismusentwicklung nicht falsch sein."

Im Zentrum der Wettbewerbskriterien des TO DO! für einen sozialverantwortlichen Tourismus stehen u.a. die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen der ortsansässigen Bevölkerung bei Planung und Durchführung von Tourismusprojekten. Sie soll durch aktive Partizipation der Einheimischen erfolgen. Dabei müssen für alle Beteiligten die Chancen und Risiken solcher Vorhaben transparent werden, ebenso das Ausmaß und die Streuung des wirtschaftlichen Nutzens. Zu den Kriterien des Wettbewerbs zählen ferner: die Gewährleistung der Attraktivität touristischer Arbeitsplätze sowie Vorsorgemaßnahmen zur Erhaltung und Stärkung der einheimischen Kultur.



Die mit einem TO DO! 2004 geehrte FINCA SONADOR aus Costa Rica ist Namensgeber einer ganzen Dorfgemeinschaft, die aus einem 1979 gegründeten, ehemaligen Flüchtlingsprojekt entstanden ist. Von der paneuropäischen Bewegung Longo Mai aufgebaut, war FINCA SONADOR ursprünglich als eine Asylstätte für Flüchtlingsfamilien aus Nicaragua gedacht, die damals vor dem Terrorregime des Diktators Somoza fliehen mussten. In der Zwischenzeit ist FINCA SONADOR jedoch ein 400 Einwohner zählendes Dorf geworden, das heute weitgehend unabhängig wirtschaftet. Zum einen lebt die Dorfgemeinschaft von seinen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, zum andern von einer Tourismuskonzeption der besonderen Art: Es ist ein auf Langzeitbesucher zielender Projekttourismus, der auch für junge Menschen bezahlbar ist (bei rund 7 US-Dollar für Unterkunft und Vollpension). Wichtig ist, dass sich die Besucher auf das Alltagsleben der Bevölkerung einlassen können und wollen. FINCA SONADOR wendet sich daher an Menschen, die bereit sind, bei und mit der Dorfgemeinschaft zu leben, ihr Wissen und ihr Können mit einbringen und dafür (umgekehrt) erfahren werden, was "Convivencia" bedeutet - die "Kunst des miteinander (Über-)Lebens. Insgesamt gibt es in FINCA SONADOR 30 Gastfamilien, die Besucher beherbergen können. Ein kleiner Teil der Einnahmen wird als "Kurtaxe" an das eigene, örtliche Tourismuskomitee abgeführt, das nicht nur administrativ dafür sorgt, dass möglichst viele Familien an den Tourismuseinnahmen teilhaben können, sondern gleichzeitig auch Steuerungs- und Kontrollfunktionen hat. Zum Beispiel um die Entwicklungsrichtung des Tourismus selbst zu bestimmen, für die Ausbildung von Guides zu sorgen oder auch, um die Qualitätsanforderungen für die Unterkünfte festzulegen.

Adresse:

Comité de Turismo
FINCA SONADOR
Cooperativa Longo MaiApdo:292
8000 San Isidro de El General P.Z. Costa Rica

Tel./Fax: +-506-771- 4239
E-Mail: rolspendling@gmx.net

Web: www.sonador.org



Der Anlass für den Aufbau des US-Nicaraguanischen Gemeinschaftsprojektes FINCA ESPERANZA VERDE in San Ramón, Nicaragua, hat einen ähnlichen Hintergrund (Sturz des nicaraguanischen Diktators Somoza und der später folgende Bürgerkrieg zwischen Sandinistas und den US-finanzierten Contras), allerdings ist das Motiv ein anderes. Zurückzuführen ist die Gründung des Tourismusprojektes FINCA ESPERANZA VERDE zunächst auf die Privatinitiative der US-amerikanischen Bürgerin Lonna Harkrader, die, zusammen mit ihrem Mann, Anfang der neunziger Jahre nach San Ramón kam. Angesichts der damals wirtschaftlich katastrophalen Situation sei es für sie beschämend gewesen, so Lonna Harkrader "dass ein so starkes Land wie die USA ein so schwaches Land wie Nicaragua derart bekämpft habe, bis es in Armut und Elend beinahe untergegangen ist". Aus dieser Überlegung heraus ist das entstanden, was das touristische Angebot von FINCA ESPERANZA VERDE sowie das hinter ihr stehende NGO-Netzwerk der "Durham-San Ramón Sister Communities" heute ausmacht: Einerseits ein wunderschön gelegenes Urlaubsquartier in den Bergen von San Ramón (max. 26 Betten), andererseits aber auch der Aufenthalt bei Privatfamilien in San Ramón. Das bedeutet: Frauen können ihr eigenes Geld verdienen, Urlauber erleben unmittelbar den Alltag der Bevölkerung und erfahren eine überaus herzliche Gastfreundschaft. Außerdem ist wichtig zu wissen, dass durch das Netzwerk der NGO praktisch die gesamte ökologisch angebaute Kaffeeernte der beteiligten Campesinos von einer öko-orientierten Kaffeerösterei in den USA aufgekauft wird. San Ramón-Kaffee ist darüber zu einer eigenen Handelsmarke geworden mit der die beteiligten Kaffeebauern - verglichen mit dem Weltmarkt - fast den vierfachen Preis erzielen können. Mit diesen Einnahmen konnten im Lauf der Jahre zahlreiche, für die lokale Bevölkerung hilfreiche Maßnahmen in San Ramón verwirklicht werden (Schulprojekte, Wasserversorgung, Wiederaufforstung, Kleinkredite), die heute weitestgehend selbstständig verwaltet und gemanagt werden.

Adresse in den USA:

Lonna Harkrader
Finca Esperanza Verde
Durham-San Ramón Sister Communities, 1320 Sheperd Street,
Durham, NC 27707, USA

Tel. 001-919 489-1656
Fax:001-919 493-5908

E-Mail: info@durham-sanramon.org
Web: www.durham-sanramon.org
         www.fincaesperanzaverde.org

Adresse in Nicaragua:

Yelba Valenzuela
Finca Esperanza Verde
Apart. P # 28 Matagalpa/Nicaragua

Tel./Fax: 00505-772-5003
E-mail: herma@ibw.com.ni
Web: www.fincaesperanzaverde.org
         www.sanramonecolodge.org



Mit einem nahezu vollständig einheimischen Management arbeitet auch das dritte Preisträgerprojekt (unter den im Übrigen gleichrangigen TO DO! 2004-Gewinnern). Es ist das von der ehemaligen (deutschen) GTZ-Mitarbeiterin Sibylle Riedmiller aufgebaute Tourismusprojekt CHUMBE ISLAND CORAL PARK. Dahinter verbirgt sich ein umwelt-, sozial- und entwicklungspolitisches Gesamtvorhaben, das um die Öko-Lodge von Chumbe Island herum gruppiert ist. Chumbe Island selbst ist eine kleine, zwölf Kilometer südlich von Zanzibar liegende Insel, die fast völlig von Wald bedeckt ist. Die Insel selbst und das vorgelagerte Korallenriff sind praktisch geschützt und stellen eine maritime Biodiversitäts-Reserve dar. Wer dort urlaubt, kann sicher viel über unseren Planeten lernen. Aber: Der dort möglich gemachte Tourismus ist und bleibt limitiert, bleibt ein Kleinod in einem ökologisch und baubiologisch beispielhaften Ambiente aus heimischen Materialien. Gleichzeitig wird aber mit Hilfe des Tourismus dort genau jenes Geld verdient, das zur Finanzierung der Schutzmaßnahmen, zur Bezahlung der immerhin 41 einheimischen Angestellten und der Umwelt-Bildungsprogramme für Schüler benötigt wird. Aus ehemaligen Fischern sind inzwischen "Parkranger" geworden, heißt es in der Preisbegründung, und außerdem wurde es seit 1998 bereits 2000 heimischen Schülern und 160 Lehrern ermöglicht, die Insel durch Tagesaufenthalte kennen zu lernen. Gelänge es - politischen und wirtschaftlichen Gestaltungswillen vorausgesetzt -, die Vorgehensweise von CHUMBE ISLAND CORAL PARK auf größere Maßstäbe zu übertragen, böte es eine beispielhafte Lösung für eine durchdachte, touristische Erschließungsmaßnahme in einer Küstenregion.

Adresse:

CHUMBE ISLAND CORAL PARK
Sibylle Riedmiller/Helen Peeks
P.O.Box 3203, Zanzibar/Tanzania

phone/fax: +255-24-2231040
E-mail: info@chumbeisland.com
Web: www.chumbeisland.com

Die ausführlichen Preisbegründungen sind abrufbar unter: http://www.studienkreis.org

Der TO DO!-Wettbewerb wird veranstaltet vom:

Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.

in Zusammenarbeit mit den langjährigen Förderern:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ecumenical Coalition on Tourism
Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) e.V. - Tourism Watch
Europäische Reiseversicherung AG
Katholisches Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Messe Berlin GmbH

Der TO DO!-Wettbewerb wird ab Ende April 2005 erneut ausgeschrieben und wiederum von staatlicher und kirchlicher Seite sowie von Unternehmen aus dem Tourismusbereich unterstützt.

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Verantwortlich für den Text : Klaus Betz