Presse-Information
 


Ammerland, 22. November 2005
Nr. 10/2005
38 Zeilen à 60 Anschläge



Weder Weihrauch noch Myrrhe:
SympathieMagazin "Jemen verstehen" erschienen


Den "Verstand verdichten" kann man im Jemen offenbar auf zweierlei Arten: mit Qat und mit Chat. Letzteres favorisiert der 15-jährige Habib eindeutig. Denn während sich sein Vater zu den im Jemen so beliebten "Qat-Runden" im Kreis seiner Freunde aufmacht (das Kauen von Kathstrauch-Blättern wirkt wie ein leichtes Aufputschmittel und bedeutet den "Verstand verdichten"), zieht es den Sohn zu den "Chat-Runden" ins Internet-Café. Die Gebühren seien zwar "ganz schön happig - aber immer noch billiger als Qat kauen", berichtet Habib in der neuen Auflage des SympathieMagazins "Jemen verstehen". Nicht ohne hinzuzufügen, dass in den Chat-Runden "manchmal sogar Mädchen mitmachen." Der eine produziert beim Qat kauen Ephedrine, der andere beim Chat mit den Mädchen wahrscheinlich Endorphine!

Nun versteht sich das SympathieMagazin "Jemen verstehen" beileibe nicht als "Anleitung zum Glücklichsein", doch greift es die gesamte Bandbreite des Alltagslebens im heutigen Jemen auf - zwischen Koranschule und Satellitenfernsehen, zwischen Lehmbaukunst und Erdölförderung. Allein fünf Beiträge befassen sich mit Frauenthemen, die den Ansatz zu mehr Frauenpower im Land deutlich machen. In einer Gesellschaft, in der knapp 50 Prozent der Bevölkerung unter 14 Jahre alt sind, lassen sich überkommene Strukturen nicht länger aufrechterhalten. Wie sonst käme es zu Computerschulungen für junge Frauen oder zum Englisch-Unterricht im "Girls World Communication Center" in Sana'a?

Aber auch weitaus sensiblere Themen lässt dieses Ländermagazin nicht außen vor. Im Gegenteil: Ein Beitrag über "Entführungen" klärt darüber auf, wie und warum(!) es zwischen 1996 und 2001 zu Entführungen von ausländischen Touristen gekommen ist, was sich seitdem geändert hat und was inzwischen unternommen wurde, damit der Jemen wieder problemlos bereist werden kann. Besonders bemerkenswert ist auch ein Bericht über das Programm "Dialog gegen Terror", mit dessen Hilfe der Richter Hamud Al-Hitar potenzielle, aber auch inhaftierte Islamisten von ihren radikalen

Positionen abzubringen und für die Friedensbotschaft des Islam zu gewinnen versucht. Erfolgreich, wie sich belegen lässt. Wer sich davon und von der liebenswerten Gastfreundschaft der Bevölkerung selbst überzeugen möchte, kann dies auf einer Reise durch den Jemen mit allen Sinnen erfahren. Dazu bedarf es weder Weihrauch noch Myrrhe - und es geht auch ganz ohne Qat.

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Verantwortlich für den Text : Klaus Betz

"Jemen verstehen" wurde redaktionell betreut von Dietmar Quist.

Das Einzelexemplar kann für Euro 3,60 per Lastschrift (www.sympathiemagazin.de) oder gegen Voreinsendung eines Verrechnungsschecks beim Studienkreis für Tourismus und Entwicklung (D-82541 Ammerland, Kapellenweg 3) bezogen werden. Ab 50 Exemplare gelten Stückpreise zwischen Euro 1,55 und 1,45 (zzgl. Versandkosten und MwSt.).

"Jemen verstehen" wurde gefördert von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).