Presse-Information
 


Ammerland, 12. März 2004
Nr. 02/2003
61 Zeilen à 60 Anschläge


Neuerscheinung zur ITB:
SympathieMagazin "Brasilien verstehen"

Brasilien ist das Land der Gleichzeitigkeit und der Extreme. Dem verblüffenden Reichtum von Wenigen steht die gravierende Armut von Vielen gegenüber. Den Überfluss begleitet die Not, den Artenreichtum der Raubbau. Die Großgrundbesitzer erleben den organisierten Widerstand der Landlosenbewegung, das sübrasilianische "Porto Alegre" ist längst zum Synonym der Globalisierungskritik avanciert und auf dem aus armen Verhältnissen stammenden Präsidenten Luiz Inácio "Lula" da Silva ruhen alle Hoffnungen; er soll ins Gleichgewicht bringen, was über Jahrzehnte hinweg versäumt wurde.
Dazwischen sind nahezu alle Träume und Wunschvorstellungen angesiedelt, die man als Reisender über dieses riesige Land haben oder mitbringen kann: einmal den Karneval in Salvador de Bahia erleben, einmal per Hängematte nach Manaus, den Amazonas rauf und runter, einmal in den tier- und pflanzenreichen Pantanal reisen oder ans Meer zu den Fischern im Nordosten des Landes. Doch auch die Einheimischen träumen. Zum Beispiel davon, Informatik zu studieren. Um diesen Traum wahr werden zu lassen, um das Studium bezahlen zu können, muss Paolo Jóse allerdings am Wochenende arbeiten: Er verkauft belegte Brote am Strand. So wird es in der Geschichte über ihn ("Mein Traum wartet nicht") erzählt. Als Besucher oder Urlauber kennt man solche Hintergründe kaum, aber das neue SympathieMagazin "Brasilien verstehen" schildert sie. Es berichtet vom erfolgreichen Kampf der Fischer von Prainha do Canto Verde gegen Bau- und Bodenspekulanten, es beschreibt die starken Frauen, erzählt von ihrem Fleiß - sie "arbeiten wie Ochsen und verdienen wie Ameisen" -, von ihrem Schönheitskult und von der Tatsache, dass 60 Prozent aller Medizinstudenten weiblich sind. Das neue SympathieMagazin macht deutlich, wie schwer sich dieses Land - trotz seiner mehr als 150 Jahre währenden Unabhängigkeit - von seiner Kolonialgeschichte löst.

Andererseits ist Brasilien die "friedliche Macht" unter den südamerikanischen Ländern. Statt eine aggressive Expansionspolitik zu verfolgen ist sie eher dafür eingetreten, die Integration des Subkontinents zu fördern. Mit 180 Millionen Einwohnern ist Brasilien 24 mal größer als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Kein Wunder, dass in den 27 Bundesländern des riesigen Flächenstaates die gesellschaftspolitischen Ungleichheiten so häufig zu spüren und zu sehen sind. Nicht zuletzt deutlich geworden ist dies in den eindringlichen Bildern des Kinofilms "City of God", der uns, so schreibt Studienkreis-Vorsitzender Armin Vielhaber in seinem Vorwort, "den Teufelskreis von Armut, Drogen und Gewalt in den Favelas der brasilianischen Metropolen nahe gebracht hat." Wo sonst, wenn nicht in Brasilien, hätte eine "Theologie der Befreiung" neue Maßstäbe setzen sollen? Schließlich soll der Traum vom "Volk ohne Fußfesseln" nicht einfach ein Traum bleiben, so der verstorbene brasilianische Schriftsteller und Soziologe Darcy Ribeiro. Sein Wunsch war es stets, dass sich Brasilien zu einer neuen, selbstständigen und besseren Zivilisation fortentwickelt.

Die Herausgabe des SympathieMagazins "Brasilien verstehen" wurde unterstützt durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Adveniat - Bischöfliche Aktion, den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) e.V., das Katholische Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit/respect.

"Brasilien verstehen" wurde redaktionell betreut von Karl-Ludolph Hübener und Sandra Weiss (beide Montevideo/Uruguay).

Das Einzelexemplar kann für Euro 3,60 per Lastschrift (www.sympathiemagazin.de) oder gegen Voreinsendung eines Verrechnungsschecks beim Studienkreis für Tourismus und Entwicklung (D-82541 Ammerland, Kapellenweg 3) bezogen werden. Ab 50 Exemplare gelten Stückpreise zwischen Euro 1,55 und 1,45 (zzgl. Versandkosten und MwSt.).

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Verantwortlich für den Text: Klaus Betz