Presse-Information
 


Ammerland, 08. August 2003
Nr. 07/2003
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All-inclusive-Reisen - Erfolgsstory mit Handlungsbedarf

Da beißt die Maus keinen Faden ab: All-inclusive-Reisen haben beim Urlauber vermehrt Zuspruch gefunden. So verfügten im Januar 2002 bereits 22% der Deutschen ab 14 Jahre (13,9 Mio.) über persönliche Erfahrung mit dieser vergleichsweise jungen Urlaubsform. Gut ein Drittel davon (4,9 Mio) hatten in der Vergangenheit sogar schon zwei oder mehr All-inclusive-Reisen unternommen (siehe Grafik 1). Das hat der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung in Ammerland im Rahmen einer Auftragsforschung zum „Image von All-inclusive-Reisen in Deutschland“ ermittelt – durch Schaltung von Exklusivfragen im Rahmen der Reiseanalyse 2002, F.U.R (Basis 7.872 persönliche Interviews). Zeigten im Januar 1999 noch 12% (7,6 Mio.) Interesse an einer All-inclusive-Reise innerhalb der nächsten drei Jahre, so sind es Anfang 2002 bereits 20% oder 13 Mio. Personen. Mehr als die Hälfte von ihnen (55%) sind All-inclusive-erfahren. Im Januar 2003 konnten sich sogar 27% der Deutschen vorstellen, im Zeitraum 2003-2005 eine All-inclusive-Reise zu unternehmen.

Doch fühlten sich nicht alle gleichermaßen angesprochen von dieser Art Urlaub zu machen, bei der über die Unterkunft und Vollpension hinaus noch weitere Leistungen im Preis eingeschlossen sind (z.B. Getränke aller Art, Sportangebote, Unterhaltungs-Showprogramme, Animation etc.). So haben im Zeitraum 1996-2002 z.B. Familien mit kleinen Kindern, aber auch ältere Erwachsenen-Paare und Senioren-Paare, Angehörige der so genannten oberen Mittelschicht und Bewohner der Neuen Bundesländer häufiger von All-inclusive-Angeboten Gebrauch gemacht. Jüngere Menschen und Personen mit einer hohen formalen Bildung waren zurückhaltender.

Unter den All-inclusive-Erfahrenen steht die Kalkulierbarkeit der Urlaubskosten an erster Stelle unter den positiven Aspekten: 82% mei-nen, dass man bei All-inclusive-Reisen vorher genau weiß, was der Urlaub kostet (Budgetsicherheit). 74% finden die große Vielfalt der Angebote im Bereich Sport, Unterhaltung, Animation und Restaurant-Auswahl besonders gut. 67% meinen, dass man wirklich was geboten bekommt für sein Geld.

Diese und andere Aspekte (siehe Grafik 2) werden von jenen 48,5 Mio. Deutschen, die bisher keine Erfahrungen mit dieser Urlaubsform machen konnten (oder wollten), deutlich anders beurteilt. Hier glauben z.B. gerade mal 37%, dass man wirklich etwas geboten bekommt für sein Geld.

In einem Punkt sind sich beide Gruppen jedoch weitgehend einig: Jeweils gut die Hälfte sieht Nachteile für einheimische Gastronomie und Geschäfte, da für sie nichts zu verdienen sei, weil die Urlauber entsprechende Angebote innerhalb der All-inclusive-Anlage vorfinden und nutzen. Nur maximal ein Fünftel stimmt dieser Meinung nicht zu.

Interessant sei u.a., so Studienkreisvorstand Armin Vielhaber, dass der manchmal pauschal unterstellte Ghetto-Charakter von All-inclusive-Anlagen, durch den man keinen Kontakt mit der Außenwelt habe, von den All-iclusive-Erfahrenen mehrheitlich zurückgewiesen wird. Zwei Drittel von ihnen sähen z.B. in den angebotenen (und extra zu bezahlenden) Ausflugsprogrammen durchaus Möglichkeiten, Land und Leute gut kennen zu lernen. Aus der Praxis sei schon länger bekannt, dass in Einzelfällen rund die Hälfte der All-inclusive-Gäste Ausflüge bucht, manche mehrfach.

Trotzdem kann es bei den Ausflugs-Angeboten deutliche Unterschiede geben. Wem es wichtig sei, im Rahmen seines All-inclusive-Urlaubs auch ein differenziertes Bild vom gastgebenden Land und seinen Menschen abseits der Tourismuszentren zu bekommen – und das sei aus Sicht des Studienkreises nur wärmstens zu empfehlen - der sollte sich vor oder bei der Reisebuchung gezielt nach den konkreten Möglichkeiten erkundigen.

„All-inclusive-Anbieter wären gut beraten“, so Vielhaber, „das negative Image von der unzureichenden ökonomischen Partizipation außenstehender, einheimischer Dienstleister ernst zu nehmen.“ Hier gäbe es Handlungsbedarf. Es sei ja nicht von der Hand zu weisen, dass die Anbieter die Wertschöpfungskette vor Ort stärker auf sich konzentrieren (und kontrollieren), weil sie mehr Leistungen anbieten als z.B. bei einer normalen Pauschalreise üblich. Man müsse deshalb bereits in der Planungsphase vernünftige und faire Lösungen finden – unabhängig davon, ob sich die Anlagen auf der „Grünen Wiese“ oder in der Nähe gewachsener Strukturen befinden. Mehr Transparenz wäre hilfreich. Positive Gegenbeispiele sollten belegt und kommuniziert werden. Sie könn-ten vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierungsdebatten, bei denen u.a. auch die Nachteile einheimischer Anbieter im Tourismus eine Rolle spielen, zukünftig an Bedeutung gewinnen – insbesondere, wenn es um All-inclusive-Anlagen in Entwicklungsländern gehe.

PDF-Datei (Grafiken) [159 kb]

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Verantwortlich für den Text: Klaus Betz