Hausmitteilung
 


Seefeld, 30. Januar 2014
Nr. 1/2014


TO DO!2013 auf der ITB – Drei Wettbewerbs-Gewinner

Im Jahr 2013 bewarben sich 24 Projekte aus 18 Ländern beim TO DO! – Wettbewerb sozialverantwortlicher Tourismus, den der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e. V. seit 1995 jährlich ausschreibt. Die TO DO!-Jury nominierte im Oktober drei Projekte aus Iran, Kambodscha und Mexiko. Diese wurden anschließend vor Ort von Studienkreis-Gutachtern jeweils eine Woche geprüft. In allen drei Fällen bestätigten sich die positiven Eindrücke, welche die Jury aus den schriftlich eingereichten Bewerbungen gewonnen hatte. Die 19. TO DO!- Preisverleihung für die drei Gewinner-Projekte findet statt am Mittwoch, den 5. März 2014 um 14.30 Uhr im Rahmen der ITB Berlin (Halle 4.1, Bühne).


ZwischenRufe auf der ITB

Die seit 1999 jährlich auf der ITB stattfindende Gesprächsrunde des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung beschäftigt sich diesmal im Hinblick auf die UN-Milleniumsziele für 2015 mit dem Thema Tourismus und Armutsminderung – Anspruch und Wirklichkeit. Das erste und wichtigste Ziel der UN-Millenniumserklärung von 2001 gilt der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger. Darüber hinaus werden bis 2015 in den Millennium Development Goals (MDG) Forderungen erhoben, die, besonders in Entwicklungsländern, eine erhebliche touristische Relevanz haben – etwa die ökologische Nachhaltigkeit sowie der Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung. Die Frage ist, wie Anspruch und Wirklichkeit zusammen kommen. Wie können Tourismusverantwortliche und Tourismusunternehmen zur Armutsminderung in Entwicklungsländern beitragen und was muss umgekehrt in den Entwicklungsländern geschehen – über das Jahr 2015 hinaus? Die ZwischenRufe finden am Freitag, den 7. März 2014 um 11.55 Uhr – „Fünf vor Zwölf“ – auf der ITB in Halle 7.1a, Saal New York 1, statt.


Studienkreis-Marktstudie zum Türkei-Tourismus

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung präsentierte Ende November 2013 in Antalya auf dem RESORT Congress ausgewählte Ergebnisse aus einer Auftragsforschung zum Thema „Der deutsche Urlaubsreisemarkt für die Türkei“. Im Januar 2013 hatten laut Reiseanalyse 29% der Deutschen ab 14 Jahre (18,9 Mio.) Interesse gezeigt, 2013-2015 Urlaubsreisen in die Türkei zu unternehmen. Auf Basis der seinerzeitigen Momentaufnahme würde dies bei einer Realisierungsquote von 65% bedeuten, dass in diesem Dreijahreszeitraum etwa 12 Mio. Urlaubsreisen realisiert werden. Das wären im Durchschnitt 4,1 Mio. pro Jahr und würde – unveränderte wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen vorausgesetzt – Stabilität signalisieren: Im deutschen Urlaubsreisemarkt hatte es 2012 4 Mio. Reisen (Mindestdauer 5 Tage) von Deutschen in die Türkei gegeben. Hinzu kamen 1 Mio. Urlaubsreisen von in Deutschland lebenden türkischen Mitbürgern. Heute reisen pro Jahr viermal so viele deutsche Urlauber in die Türkei wie Anfang der 1990er Jahre. Die meisten (79%) verbringen ihren Urlaub in der Region Antalya – 76% machen in der Türkei All-inclusive-Urlaub (in der Region Antalya 85%).
Die Untersuchung berücksichtigt u. a. auch das Informationsverhalten der deutschen Türkei-Urlauber. 84% von ihnen verfügen z. B. über einen Internet-Zugang – zwei Drittel nutzen das Internet zur Information über Urlaubsreisen – ein Drittel hat bereits online gebucht. Trotz der beachtlich hohen generellen Nutzung des Internet für Urlaubsinformationen, greifen Türkei-Urlauber noch deutlich häufiger auf Offline-Informationsquellen zurück – vor allem auf Informationen von Reisebüros und Reiseveranstaltern aber auch auf Anregungen und Informationen von Freunden, Verwandten und Bekannten. Unter den Online-Informationsquellen stehen Reiseportale vorne, gefolgt von Websites der Reisebüros und Veranstalter, Websites von Destinationen, Regionen und Orten sowie Bewertungsplattformen. Online-Informationen werden kaum ausschließlich genutzt, aber zusätzlich und vielfältig und in Zukunft auch verstärkt mobil. Bei einigen Online-Informations.angeboten scheint es Optimierungs-Spielräume zu geben, etwa hinsichtlich der Glaubwürdigkeit/Verlässlichkeit und Neutralität der Information sowie bei der Angebotssuche und beim Lustmachen auf Urlaub.

Studienkreis Ehrenvorsitzender Armin Vielhaber rief die Vertreter der Tourismuswirtschaft dazu auf, die Nachhaltigkeit verstärkt zu ihrem Thema zu machen. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Tourismusentwicklung sei in der deutschen Reisebranche in den letzten Jahren gestiegen – ebenso bei den Urlauberinnen und Urlaubern. Bereits 35% der deutschen Türkei-Urlauber sei eine ökologisch verträgliche, ressourcenschonende und umweltfreundliche Urlaubsgestaltung wichtig, 43% seien der Meinung, dass ihr Urlaub möglichst sozialverträglich gestaltet sein soll, im Sinne von fairen Arbeitsbedingungen fürs Personal und Respektieren der einheimischen Bevölkerung. 40% hätten ein ausgeprägtes Interesse an Begegnungen mit Einheimischen im Urlaub. Auch im Bereich All-inclusive müsse es – so Vielhaber – darum gehen, nachhaltigere Konzepte zu entwickeln zur Optimierung bestehender und neuer Strukturen und Angebote, die ökologisch verträglicher, sozial verantwortlich und ökonomisch langfristig ergiebig seien. Dies ließe sich auch und gerade im Internet hervorragend an interessierte Zielgruppen kommunizieren.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder hatte zuvor in seiner schwerpunkmäßig europapolitischen Kongress-Rede darauf verwiesen, dass über das weltweite Image der Türkei auch die Wahrnehmung der Touristen mitentscheide, wie sie die Landschaft, kulturelle Vielfalt und Gastfreundschaft wahrnehmen. Es ginge also im Tourismus nicht nur um die Frage, wie fair das Preis-Leistungsverhältnis und wie gut der Service und der Komfort in den Ferienunterkünften sei – „es geht auch darum“, so Schröder, „dass die Tourismuswirtschaft das Thema Nachhaltigkeit, Umweltschutz und den Erhalt der kulturellen Stätten und des Landschaftsbildes ernst nimmt. Denn immer mehr Touristen legen hierauf Wert“. Im Übrigen sei die Tourismusbranche auf Internationalisierung angewiesen. Weltoffenheit und Toleranz seien die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Gastfreundschaft beinhalte Beides: die Offenheit und Freundlichkeit des Gastgebers zu seinem Gast sowie den Respekt des Gastes vor den kulturellen Gegebenheiten des Gastlandes. Nur wo das der Fall sei, könne Tourismus zu beiderseitigem Nutzen möglich sein. „Verständnis, Offenheit, Toleranz und auch Neugierde sind die Grundlage von Reiselust. Auch deshalb“, so der Altbundeskanzler, „werbe ich für den Dialog der Kulturen – gerade mit Blick auf das Verhältnis zwischen den Gesellschaften, die man als ‚Westen‘ definiert und den islamischen Ländern“.


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Verantwortlich für den Text: Dr. Dietlind von Laßberg