Hausmitteilung
 


Ammerland, 07. Januar 2005

Hochzeit oder Zertifikat ? - (K)ein Damaszener Märchen

Wenn ein Bräutigam seine "Zukünftige" wenige Tage vor der schon lange geplanten Hochzeit um Aufschub bittet, ist das nicht von Pappe. Irritationen und Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Doch die Götter, das wissen wir alle, sind mit den Mutigen. Das hat sich dieser Tage erneut gezeigt. In Damaskus.
Dort fand zum dritten Mal ein entwicklungsbezogenes, interkulturelles Trainingsseminar für syrische Reiseleiterinnen und Reiseleiter statt - diesmal in Form eines advanced-Seminars für Teilnehmer, die in den Vorjahren bereits einen basic-Kurs absolviert hatten. Zu den Kandidaten zählte auch Samer, der deshalb (ohne dass das Trainerteam des Seminars davon wusste) in eine schwierige Situation geriet: Seine Hochzeit mit Shazza war für den 18. Dezember angesagt (mit 300 geladenen Gästen) - just an jenem Tag, an dem die Schlussprüfungen des Seminars stattfinden sollten. Samer wollte unbedingt das advanced-Zertifikat für seine weitere berufliche Qualifizierung erwerben. Deshalb sprach er mit Shazza (deutsch: "Duft der Blume") die ihn nach anfänglichem Erstaunen aktiv ermutigte, den Kurs zu besuchen und die Hochzeit um eine Woche zu verschieben. Die Eltern gaben ihr Plazet - die Gäste disponierten um. Am 18. Dezember erhielt Samer neben weiteren 13 Kolleginnen und Kollegen sein Zertifikat, das ihn als "Interkulturellen Lehrer - advanced" auszeichnet.

Studienkreisvorstand Armin Vielhaber, der zusammen mit Gökhan Tuncer und Astrid Kösterke das Seminar leitete, war von der aufgeschobenen Hochzeit überrascht. "Wir waren sprachlos. So etwas wäre bei uns schwer vorstellbar. Aber Wissbegierde und Lernwillen sind hier wirklich sehr groß, das wurde bereits bei den basic-Seminaren im Dezember 2003 und August 2004 deutlich."
Nach dem 2003 bereits syrische Printmedien über den ersten basic-Kurs ausführlich berichtet hatten, kam jetzt das syrische Fernsehen, um sich bei Teilnehmern und Seminarleitung über das weltweit bei fast 100 Seminaren erprobte interkulturelle Fortbildungsprojekt zu informieren. In den beiden basic-Seminaren ging es vor allem um die Motivation der Teilnehmer, deutschsprachigen Syrien-Urlaubern Einblicke in die interessante und vielfältige gesellschaftliche Alltagsrealität Syriens und seiner Menschen zu vermitteln und zwischen der Kultur der Besucher und der des Gastlandes Verständnis- und Sympathie-Brücken zu bauen. Im Mittelpunkt des darauf aufbauenden advanced-Kurses stand ein Argumentationstraining unter Berücksichtigung verschiedener Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Religion, Entwicklung, Identität und Globalisierung.
Die mit dem advanced-Zertifikat ausgezeichneten syrischen Reiseleiter arbeiten überwiegend freiberuflich. Jeder von ihnen hat bisher Gäste einer unterschiedlichen Zahl von Reiseunternehmen betreut, da-runter: Bader Kulturreisen, Bauer Touristik, Biblische Reisen, Bischofsberger Info-Reisen, Djoser Reisen, Dr. Tigges, ECC-Studienreisen, GeBeCo-Studienreisen, Helios Reisen, Holiday Maker Tours, Ikarus Tours, Moneypenny Tours, Thomas Cook Touristik, OFT Reisen, Phoenix Reisen, Sindbad Reisen, Studiosus Reisen, Sina Orient Tour, TUI Deutschland.
Wie inzwischen aus Damaskus bekannt und fotografisch dokumentiert wurde, fand die Hochzeit von Samer und Shazza am 23. Dezember statt - mit stolzen Eltern und vielen Gästen.

Stolz auf die erneut qualifizierten Reiseleiter können jene syrischen Reiseagenturen sein, die mit ihnen zusammenarbeiten und auch der syrische Tourismusminister Dr. Saadalla Agha El Kalaa, der sich seit zwei Jahren für die Durchführung dieser speziellen interkulturellen Fortbildungsmaßnahme persönlich einsetzt.

Weitere Informationen zu den entwicklungsbezogenen und interkulturellen MotivationsSeminaren für Reiseleiter in Entwicklungsländern, die seit den 70er Jahren vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von der Evangelischen Kirche in Deutschland gefördert werden.

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Verantwortlich für den Text: Klaus Betz